DE  |  EN

Cornelia Jooß, Sonderschullehrerin

Lesegespräche im Leseclub für Erstleser

Ein Forschungsprojekt mit Leseanfängern der Klassen 1 und 2

 

Nicht alle Kinder haben hinsichtlich ihrer literalen Vorerfahrungen günstige Bedingungen, werden diese doch nach wie vor stark bestimmt vom soziokulturellen Milieu, vom Migrantenstatus der Eltern und vom Geschlecht. Die Heterogenität der Lernvoraussetzungen von Grundschülern ist also bereits zu Schulbeginn gegeben. Sie wird offensichtlich nicht während der Grundschule kompensiert (vgl. Bos u.a. 2003) und setzt sich fort in der Sekundarstufe I, wie die Ergebnisse der PISA-Studie zeigen (vgl. Baumert u.a. 2001). Der enge Zusammenhang zwischen sozialer Herkunft und Bildungserfolg in der BRD ist dokumentiert.

Das Forschungsprojekt hat zum Ziel, traditionelle Konzepte zur Entwicklung von Lesekompetenz zu erweitern und literale Praxis mit einzubeziehen. Die Basis bildet ein Lesekompetenzbegriff, der kognitive, emotionale, motivationale und interaktionale Faktoren umfasst (vgl. Hurrelmann 2002).

Das Projekt Leseclub für Erstleser möchte möglichst allen Kindern Zugang zu literaler Praxis ermöglichen und besonders einen Ausgleich für die Kinder schaffen, die aufgrund ihres familiären Hintergrunds nicht von einer reichen literalen Vorerfahrung profitieren. Im Rahmen des Leseclubs für Erstleser wurden mit einzelnen leseschwächeren Kindern  regelmäßig Lesegespräche über einen Zeitraum von einem  ¾ Jahr durchgeführt.

Im Zentrum der qualitativen Studie steht die Erprobung, Beschreibung und Weiterentwicklung der Lesegespräche. Auf der Basis einer Stichprobe von 10 Kindern werden Lesestrategien, motivationale und interaktionale Aspekte beschrieben, kategorisiert und in ihrer Bedeutung für die Erweiterung von Lesekompetenz bewertet. Grundlage dafür bildet die aktuelle Leseprozessforschung (vgl. Groeben/Hurrelmann 2002, Christmann/Groeben 1999, Scheerer- Neumann 1999, 2003).

Die Kinder der Stichprobe besuchten wöchentlich den Leseclub für Erstleser und nahmen am regulären Ablauf des Leseclubs teil, der an 4 Grundschulen als AG angeboten wurde. Während dieser Zeit  nahm jedes Kind der Stichprobe auch an den Lesegesprächen teil.  Gemeinsam mit einer Expertin (Tutorin) lasen die Kinder in ihren selbst gewählten Büchern, ließen sich vorlesen und sprachen miteinander über den Textinhalt. Diese Lesegespräche wurden während des gesamten Zeitraums regelmäßig aufgenommen und transkribiert und bilden die Datengrundlage für die Beschreibung und Einordnung der Kategorien. Ergänzend werden Daten verwendet aus einem halbstrukturierten Interview zum Lese- und Freizeitverhalten der Kinder. Mit allen Kindern wurden zu Beginn und am Ende des Untersuchungszeitraums zwei Lesetests durchgeführt.

Literatur:

Baumert, J. u.a. (Hrsg. 2001): PISA 2000. Basiskompetenzen von Schülerinnen und Schülern im internationalen Vergleich. Opladen.

Bernlocher-Rettstatt, E. (2000): Der Leseclub. Ein Projekt mit Schüler- und Elternbeteiligung.Grundschulmagazin 68. 33 – 34.

Bonfadelli, H./Fritz, A./Köcher, R. (1993): Leseerfahrungen und Lesekarrieren. Studien der der Bertelsmann Stiftung. Gütersloh.

Bos, W. u.a. (Hrsg. 2003): Erste Ergebnisse aus IGLU. Schülerleistungen am Ende der vierten Jahrgangsstufe im internationalen Vergleich. Münster.

Christmann, U./Groeben, N. (1999): Psychologie des Lesens. In: Bodo Franzmann u.a. (Hrsg.): Handbuch Lesen. Hohengehren. 145 – 223.

Christmann, U./Richter, T. (2002): Lesekompetenz: Prozessebenen und interindividuelle Un­terschiede. In: Groeben, N./Hurrelmann, B. (Hrsg.): Lesekompetenz. Bedingungen, Di­mensionen, Funktionen. Weinheim, München. 25 – 58.

Dehn, M. (1999): Lesenlernen – Lesenlehren. In: Bodo Franzmann u.a.(Hrsg.): Handbuch Lesen. Hohengehren. 570 – 584.

Scheerer-Neumann, G. (2003): Entwicklung der basalen Lesfähigkeit. In: Ursula Bredel u.a. (Hrsg.): Didaktik der deutschen Sprache 1. Paderborn. 513 – 524.

Wieler, P. (1997): Vorlesen in der Familie: Fallstudien zur literarisch-kulturellen Sozialisation von Vierjährigen. Weinheim. München.

Willenberg, H. (2004): Lesestrategien. Vermittlung zwischen Eigenständigkeit und Wissen. In: Praxis Deutsch 187/2004. 6 – 13.

 

 

 

 

  

 

ABTEILUNG DEUTSCH 
SUCHE
Deutsch > Lesegespräche im Leseclub für Erstleser
Startseite   Download Zentrum  Sitemap  KontaktLogin

DruckansichtDruckansicht