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Quelle: www.spatium-magazin.de

In dem Workshop soll das Schreiben kurzer Kriminalgeschichten eingeübt werden. Dazu werden zunächst typische Merkmale des Kurzkrimis benannt und am Beispiel verdeutlicht. Es folgen Schreibaufgaben, die zur Vorbereitung einer Kriminalerzählung wichtig sind und in Vorbereitung des Workshops bearbeitet werden sollten.

Typologisches

Der Kurzkrimi enthält einerseits Elemente des Kriminalromans, andererseits weist er Merkmale einer Kurzgeschichte auf, die alternative Lösungen zur langen epischen Form provozieren. Die relative Kürze der Erzählung lässt kaum Raum für ausladende Beschreibungen, ein großes Figurentableau oder mehrere, ineinander verwobene Handlungsstränge. Der Plot ist auf für den Leser überraschende Wendungen aufgebaut, die die Erwartungshaltung immer wieder durchkreuzen. Üblicherweise wird die Geschichte im ›Epischen Präteritum‹ erzählt.
Die Figurenkonstellation Opfer – Täter – Ermittler – Verdächtige – Sonstige ist begrenzt, das Beziehungsgefüge dieser Figuren zueinander daher dynamischer als beim Roman. Bestimmend bleiben auch beim Kurzkrimi die Fragen nach Täter (›Whodunnit?‹), Tathergang und Motiv, allerdings zwingt die Kürze oft zu Zeitsprüngen (raffende Erzählweise) und Szenewechseln. Die falschen Fährten (›Red Herrings‹) werden meist nur skizziert und relativ schnell als solche entlarvt. Retardierende Momente im Handlungsverlauf, Krisen bei der Ermittlungsarbeit oder Schilderungen zu einzelnen Figuren fallen ebenfalls kurz aus. Daher werden Symbole, Bilder, Detailwahrnehmungen, metaphorische Sprache zu wichtigen Handlungsträgern. Manchmal entfaltet sich im Dialog zwischen Hauptfiguren die Problematik des Falles, werden die entscheidenden Fragen gestellt und (richtig oder falsch) beantwortet, bringen ›zündende‹ Ideen die Lösung des Falles voran. Elemente des Detektiv- oder Rätselromans (vgl. Gesellschaftsspiel ›Cluedo‹) sind eher charakteristisch als Thrillerbestandteile – für Actionpassagen (vgl. ›Scottland Yard‹) fehlt wiederum der Erzählraum. Die Schilderung von Zeit und Raum wird angedeutet (hat häufig für sich symbolische Bedeutung), die Beschreibung einzelner Figuren auf Wesentliches reduziert, z.B. markante Eigenschaften oder Empfindungen bzw. Erfahrungen, die im Zusammenhang mit dem Fall Bedeutung haben.
Analog zur Langform des Romans erhält der Leser erst am Schluss (mit dem letzten Satz) die vollständige Enträtselung des Falles. Am folgenden Beispiel eines Kurzkrimis »Eiszeit« von Åke Edwardson sollen die genannten Merkmale am Fließtext nachgewiesen und veranschaulicht werden.

Do it yourself

Am Anfang der Kriminalschriftstellerei steht die Planungsphase: Wer wird wann wo von wem warum wie womit umgebracht? Wer löst (mit wem) unter welchen Umständen wie den Fall? Die Struktur, die der ›lesbaren‹ Handlung (an der Erzähloberfläche) zugrunde liegt, muss logisch, stringent und klar sein. Der Autor muss von Anfang an den Überblick haben und behalten. Dazu sind eine Reihe von Aspekten zu berücksichtigen:

  • Wo spielt der Krimi? Auf dem Land oder in der Stadt, im Freien oder in Zimmern, im Museum, am Hafen, am Strand oder am Bahnhof?
  • Wann spielt die Handlung? Im Winter oder im Sommer welchen Jahres (historisch oder aktuell)?
  • Wer erzählt die Geschichte? Gibt es einen allwissenden (auktorialen) Erzähler, der distanziert beobachten und beschreiben kann? Oder erzählt eine der Hauptfiguren in ›Ich-Form‹ aus unmittelbare Nähe zum Geschehen? Oder wechselt die Perspektive immer wieder um beide Effekte zu nutzen?
  • Wie sieht das Opfer aus? Welche Eigenschaften hatte es zu Lebzeiten? Welche biografischen Aspekte sind wichtig? In welchem Beziehungsgefüge lebte es?
  • Analog dazu die Charakteristik und Erscheinung des Täters: Wie sieht er aus? Welche Eigenschaften zeichnen ihn aus? Welche biografischen Gesichtspunkte sind relevant? In welchem Verhältnis steht er zum Opfer? Welches Motiv hat er für die Tat?
  •  Auf welche Art und Weise ist das Opfer umgebracht worden? Zu welcher Tageszeit an welchem Ort unter welchen Umständen mit welcher Mordwaffe? Liegt der Mord schon lange zurück (Rückblende zur Erzählzeit) oder wurde er erst vor kurzem begangen? Wie war der genaue Ablauf, der im Verlauf der Erzählung rekonstruiert werden muss?
  • Mit welchem Ermittlertyp soll der Fall gelöst werden? Ist es ein kauziger Einzelgänger mit markanten Eigenschaften (trunksüchtiger Choleriker mit grellgelben Schuhen) oder ein Team von Ermittlern? Ist es ein Privatdetektiv (Sherlock Holmes), ein Kommissar (Wallander) oder ein leidenschaftlicher Hobbyermittler (Miss Marple)? Wie sieht er aus? Welche Eigenschaften sind wesentlich für seine Ermittlungsarbeit? Welche Eigenarten nützen (oder schaden) der Lösung des Falles?

Bei www.krimischule.de kannst du in 7 Schritten die Krimi-Schriftstellerei erlernen...

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