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PISA-Ergebnisse: Pädagogische Hochschulen fordern neue Kultur der Zusammenarbeit in der Bildungspolitik (Pressemitteilung der LRK)

Als Konsequenz aus der aktuellen PISA-Studie plädieren die Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg für eine neue Kultur der Zusammenarbeit im Bildungssystem. Angesichts des anhaltend negativen Trends in den Schülerleistungen sei eine institutionalisierte Abstimmung aller Beteiligten und mehr Kooperationsbereitschaft gefordert.

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Bildungsmonitore und Leistungsstudien wie PISA kommen seit Jahren zu dem Ergebnis: Bildungschancen hängen in Deutschland zu sehr von der sozialen Herkunft ab, Kinder starten mit sehr unterschiedlichen Lernvoraussetzungen in der Schule, zu viele Schüler:innen erreichen die Mindeststandards nicht und es fehlt zunehmend an qualifiziertem Personal. Auch die aktuelle PISA-Studie bestätigt den Trend.

Die Probleme und die notwendigen Konsequenzen sind laut Jörg-U. Keßler, Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz der Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg, längst bekannt. „Dass sich in den frühen Lebensjahren maßgeblich entscheidet, ob ein Kind später in der Schule Erfolg haben kann, ist keine neue wissenschaftliche Erkenntnis. Wichtig wäre, nicht punktuell vorzugehen, sondern von der frühkindlichen Bildung aus die gesamte Bildungskette in den Blick zu nehmen und die Lehrkräftebildung miteinzubeziehen“, betont er.

Schulterschluss über Ressortgrenzen hinweg

Zu diesen Zweck sei eine enge Kooperation auf allen Ebenen in einem institutionalisierten Rahmen erforderlich – unter Einbeziehung der Eltern. „Um etwas zu bewirken, brauchen wir eine neue Kultur der Zusammenarbeit über Ressortgrenzen und Zuständigkeiten hinweg – weniger Silodenken und mehr Offenheit“, plädiert Keßler.

In Baden-Württemberg haben die lehrkräftebildenden Hochschulen des Landes zu diesem Zweck einen Verbund Lehrkräftebildung ins Leben gerufen. Dort soll die ressort- und phasenübergreifende Abstimmung zwischen Studium, Vorbereitungsdienst und Fortbildung gestärkt werden. „Es braucht die Bereitschaft, auf Grundlage der gemeinsam zu erarbeitenden Empfehlungen auch Entscheidungen zu treffen“, unterstreicht der Rektor der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg.

Bildungsungleichheit, Kompetenzrückgang und Fachkräftemangel hängen zusammen

Die aktuellen Herausforderungen im Bildungssystem dürfen den Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg zufolge nicht mehr isoliert betrachtet werden. Unterschiedliche Lernausgangslagen und Kompetenzrückgänge bei Kindern und Jugendlichen einerseits sowie zunehmende Berufsbelastung und Lehrkräftemangel anderseits hängen direkt miteinander zusammen, so der LRK-Vorsitzende. „In Baden-Württemberg wird die Gewinnung von Lehrkräften, insbesondere für die Sekundarstufe I deshalb zur entscheidenden Zukunftsfrage“, sagt Keßler.

So verzeichnen die Pädagogischen Hochschulen insbesondere für das Lehramt Sekundarstufe I anhaltend rückläufige Bewerberzahlen. „Um zielgerichtet darauf reagieren zu können, müssen wir wissen, was junge Menschen heute daran hindert, den Lehrerberuf zu ergreifen“, unterstreicht die stellvertretende LRK-Vorsitzende Karin Vach. „Bisherige Studien wie das Schulbarometer liefern nicht die nötigen Informationen. Wir brauchen eine repräsentative Studie zur Frage der Attraktivität des Berufs aus Sicht der Generation, die wir dafür gewinnen wollen. Wir müssen wissen, was die heute 17- bis 18-Jährigen wollen und wie wir sie besser erreichen können.“

Eine Beobachtung der Pädagogischen Hochschulen, die ihre Lehramtsstudierenden bei den Praxisphasen stets eng vor Ort begleiten: Die Arbeitsbedingungen werden immer anspruchsvoller. Vor allem ungleiche Entwicklungsstände und Lernvoraussetzungen der Kinder und Jugendliche stellen Lehrkräfte vor große Herausforderungen. Dies gelte besonders für Haupt-, Werkreal-, Real- und Gemeinschaftsschulen, beginne aber bereits in den Grundschulen.

Der Einsatz multiprofessioneller Teams aus Psycholog:innen, Sozialtherapeut:innen und Erzieher:innen sei deshalb überfällig. „Wir dürfen die Lehrkräfte bei dieser Herausforderung nicht alleine lassen. Es geht auch darum, den Beruf und seine Attraktivität zu stärken“, betont die Rektorin der Pädagogischen Hochschule Heidelberg.

Lehrkräftenachwuchs stärken

Um neue Zielgruppen für den Lehrkräfteberuf zu gewinnen, arbeiten die Pädagogischen Hochschulen im Land unter anderem an neuen – auch dualen – Zugangswegen ins Lehramt. Dazu gehören Quer- und Seiteneinsteigenden ebenso wie zugewanderte Lehrkräfte. Diese Chance gelte es besser zu nutzen: Die Pädagogischen Hochschulen fordern daher, die Anerkennungspraxis ihrer Berufsqualifikationen zu überprüfen. Die Messlatte dürfe dabei nicht höher liegen als bei Fachfremden aus dem Inland.

Für eine qualitätsvolle Unterrichtsversorgung sei zudem entscheidend, dass sich wissenschaftliche Erkenntnisse auch in der Fortbildung von Lehrkräften niederschlagen, betont Vach. „Damit Fortbildung von Lehrkräften gleichermaßen praxisnah und wissenschaftlich fundiert erfolgt, brauchen wir eine systematische Einbindung auch der lehrkräftebildenden Hochschulen in das Fortbildungssystem des Landes“, so Vach. Dazu müssten geeignete Strukturen und rechtliche Voraussetzungen geschaffen werden.

Hintergrund: Die Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg

Die Pädagogischen Hochschulen Baden-Württemberg sind Hochschulen universitären Profils mit Promotions- und Habilitationsrecht. Sie qualifizieren Lehrkräfte aller Schularten, erforschen Lehr- und Lernprozesse und professionalisieren Bildungsberufe in ihrer ganzen Breite. Mit ihrer bildungswissenschaftlichen Forschung und Lehre zu sämtlichen Bildungsbereichen von der Kindheitspädagogik bis zur Medien- und Umweltbildung tragen sie maßgeblich zur Weiterentwicklung des Bildungssystems bei. Ihre Lehrkräftebildung verbindet wissenschaftliche Erkenntnisse eng mit der Praxis. Die Landesrektorenkonferenz (LRK PHn BW) koordiniert die Zusammenarbeit der sechs Pädagogischen Hochschulen in Forschung, Lehre und Transfer und vertritt die gemeinsamen Interessen nach außen.

Kontakt zu Experte:

Neben der hochpolitischen Stellungnahme der LRK zur PISA-Studie steht Ihnen von der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg für fachliche Fragen zur Verfügung: