Wer sich aus seiner beruflichen Tätigkeit heraus mit Neugierde, Lernmotivation, Initiative und Risikobereitschaft auf ein wissenschaftliches Weiterbildungsangebot einlässt, bringt relevante Erfahrungen mit ein und stellt sie zur Disposition. Im Aufeinandertreffen unterschiedlicher, oft interdisziplinärer Perspektiven wird bislang Unbekanntes sichtbar und Neues angestoßen. Anstatt einseitiger Wissensvermittlung entsteht so ein Prozess gemeinsamer Wissensproduktion, der im „Reflected Practitioner" (Donald Schön) mündet.
Wie dieses Prinzip im berufsbegleitenden Masterstudiengang Bildungsmanagement der PH Ludwigsburg gelebt wird, zeigt eine Arbeitsszene von Studierenden mit unterschiedlichen beruflichen Hintergründen, die gemeinsam an einer Leitfrage arbeiten. Co-Creation entfaltet sich hier auf mehreren Ebenen zugleich: zwischen Wissenschaft und Praxis, zwischen den Praktiker:innen mit ihren unterschiedlichen biografischen und organisationalen Lernerfahrungen sowie in der wissenschaftlichen Analyse selbst – auf der gemeinsamen Suche nach Mustern, Ideen und neuen Herangehensweisen.
Wie sehr ihn dieser Austausch selbst verändert hat, schilderte Simon Salzer im Vortrag: In den verschiedenen Aufgaben und Lernbausteinen konnte er sich das – ihm als Ingenieur zunächst fremde – innovative Potenzial spielerischen Lernens erschließen. Diese Erkenntnis setzte er in einem Studienprojekt im eigenen Unternehmen um, in der Konzeption und Umsetzung einer digitalen Kundenschulung zur Geräteanwendung mittels Virtual Reality/Augmented Reality. Den Impuls dafür lieferten spielerische Lehr- und Lernmethoden. Das Bild zeigt links eine Planspielsimulation im Studiengang, rechts die im Unternehmen entwickelte AR-Anwendung „XR2ACH", die reale Maschinenkomponenten mit digitalen Bedienelementen zur Positionierung und Rotation simuliert.
Fazit: Wissen allein verändert keine Organisation, keine Praxis. Erst im Zusammenspiel aus wissenschaftlicher Reflexion und praktischer Erprobung wird aus Information Handlungsfähigkeit. Hier zeigt sich sich das Transfer-Potenial von Co-Creation: Sie macht Lernende zu Mitgestaltenden, verbindet Perspektiven, die sich im Alltag selten begegnen und lässt Innovation in beide Richtungen fließen, von der Hochschule in die Praxis und von der Praxis zurück in Wissenschaft und Weiterbildung. Wirkung entsteht deshalb nicht als Resultat von Wissensvermittlung, sondern als Ergebnis eines Prozesses, in dem Wissen gemeinsam angewendet, reflektiert und weiterentwickelt wird.