Zwei Tage, eine Frage: Welche Zukunft haben Heimatmuseen in den Bergregionen? Bei der Tagung von graubünden cultura und Museen Graubünden in der Bündner Surselva ging Prof. Dr. Yvonne Pröbstle dieser Frage aus kulturtouristischer Perspektive nach.
Los ging es bewusst nicht im Konferenzraum, sondern vor Ort: Die Teilnehmenden besuchten verschiedene Orte und Einrichtungen, darunter La Vitrina in Curaglia und Pardé im Val Medel, zwei umgenutzte Ställe, die heute als Ausstellungs- und Begegnungsorte dienen. Von rund 300 leerstehenden Ställen im Tal sind bislang diese beiden auf diese Weise neu genutzt worden, ohne aufwendigen Museumsneubau und ohne hohe Betriebskosten, dafür mit einem überzeugenden Programm: Kunst, Fotografie, eine Klanginstallation und Kurzfilme über die Menschen des Tals geben Einblick in die Kulturgeschichte der Val Medel. Geöffnet an 365 Tagen im Jahr und ganz ohne Personal, und es funktioniert, für Einheimische wie für Gäste.
In ihrem Kurzvortrag „Von der Sehenswürdigkeit zum Resonanzraum“ vertrat Pröbstle folgende These: „Wenn es gelingen soll, Einheimische und Gäste im Kulturtourismus zusammenzubringen, sollten wir nicht mehr nur in der Kategorie von Sehenswürdigkeiten denken, sondern in Resonanzräumen." Kulturtourist*innen seien demnach nicht als passiv Rezipierende zu verstehen, sondern als Gäste, die Begegnung, Austausch und womöglich Partizipation suchen. Museen in Bergregionen, oft nah an der Bevölkerung und aus ihren Reihen getragen, seien dafür besonders geeignet – eine „Superpower“, wie es in der Fachrunde treffend auf den Punkt gebracht wurde.
Ein herzlicher Dank geht an graubünden cultura [externer Link] und Museen Graubünden [externer Link] als Organisator*innen sowie an das Hotel Medelina [externer Link], eine weitere gelungene Umnutzungsgeschichte und Mitglied der Kulturhotels Graubünden [externer Link].