Zum Seiteninhalt springen

Forschung

Wissenschaft im Dialog: Begleitforschung zum Projekt „FreiRaum für Aufklärung“

In Kooperation mit der pro familia Waiblingen, der JVA Schwäbisch Gmünd und der Pädagogischen Hochschule Schwäbisch Gmünd, widmen wir uns einer gesellschaftlich hochrelevanten Lücke: der Sexualbildung im Justizvollzug.

Das Leuchtturmprojekt „FreiRaum für Aufklärung“ unterstützt junge inhaftierte Frauen – die häufig vielfältige und belastende Gewalterfahrungen durchlaufen haben – durch gezielte Bildungsangebote und Präventionsarbeit in der Haftanstalt. Der Schwerpunkt unserer universitären Arbeit liegt auf der wissenschaftlichen Begleitung und Evaluierung durch die PH Ludwigsburg und die PH Schwäbisch Gmünd.

Methodisches Vorgehen in der Begleitforschung
Die Forschungsarbeit stützt sich auf einen fundierten Educational-Design-Research-Ansatz, der die praxisnahe Entwicklung und wissenschaftliche Überprüfung eng miteinander verzahnt. Methodisch umfasst dies qualitative und evaluative Schritte: Neben der teilnehmenden Beobachtung direkt in den sexualpädagogischen Workshops und leitfadengestützten Interviews mit den inhaftierten Frauen steht die partizipative Entwicklung der Broschüre „Safe!“. Diese wurde speziell für die sexualpädagogische Arbeit konzipiert und arbeitet gezielt mit Stellvertreter:innen-Figuren, um einen sicheren, zielgruppengerechten Zugang zu sensiblen Themen zu ermöglichen.

Gemeinsam untersuchen wir die Wirksamkeit sexualpädagogischer Maßnahmen in geschlossenen Settings und analysieren Gelingensbedingungen für eine nachhaltige Resozialisierung. Der besondere Mehrwert dieser Forschung liegt darin, dass die gewonnenen Erkenntnisse weit über den Justizvollzug hinausreichen: Sie liefern wertvolle und praxisnahe Impulse für eine inklusive schulische Sexualbildung sowie für die zielgruppenspezifische Arbeit mit marginalisierten Gruppen.

Schutzkonzepte & Sexualbildung integriert gedacht

Wie können schulische Schutzkonzepte und Sexualbildung so miteinander verknüpft werden, dass sie präventiv wirken und durch ein individuell angepasstes, integriertes Sexualbildungskonzept nachhaltig verankert werden?

In unserem Forschungsprojekt entwickeln und erproben wir einen interaktiven Actionbound, der alle Akteur:innen einer Schuler aktiv in die Analyse ihres schulischen Umfelds einbezieht. Spielerisch und ortsbezogen setzen sie sich unter anderem mit Wohlfühl- und Angsträumen, Geschlechternormen, Grenzen, Ansprechpersonen sowie dem Schutz vor sexualisierter Gewalt auseinander. Die gewonnenen Erkenntnisse bilden die Grundlage für eine Risiko-, Bedarfs- und Potentialanalyse sowie dafür, Sexualbildung bedarfsgerecht an die jeweilige Schule anzupassen und mit bestehenden Bildungskonzepten zu verzahnen.

Ziel ist es, Prävention und Sexualbildung nicht getrennt zu denken, sondern in einem nachhaltigen, schulindividuell angepassten Gesamtkonzept miteinander zu verbinden.