Unsere Alumni-Arbeit ist uns wichtig - wer in Ludwigsburg studiert hat, bekommt neben der fachlichen Ausbildung auch ein lebendiges und lange gewachsenes Netzwerk mit. Ob über berufliche Plattformen oder den Studierenden- und Alumni-Verein KulturNetz e.V., ob durch private Sympathie oder thematische Vernetzung: Viele der Absolvent*innen bleiben mit uns in Kontakt, sind zu Gast in Seminaren oder begrüßen uns bei Exkursionen an ihren jeweiligen Arbeitsstellen.
Regelmäßig stellen wir auf unseren Social Media-Kanälen ehemalige Studierende des Masters Kulturwissenschaft und Kulturmanagement vor. Es lohnt sich also auch dort, uns zu folgen. Alle Porträts werden anschließend auch auf unserer Webseite veröffentlicht.
Der Verein KulturNetz e.V. wurde im Jahr 2000 von ehemaligen und aktiven Studierenden als Alumni-Verein gegründet. Er versteht sich als lebendiges Netzwerk und Kommunikationsforum für Absolvent*innen, Studierende und Dozierende der Studiengänge Kulturwissenschaft und Kulturmanagement, der Weiterbildungsstudiengänge am IKM, von Kultur- und Medienbildung sowie Kulturelle Bildung an der PH Ludwigsburg.
Regelmäßige Besuche in Kultureinrichtungen, Workshops zur Weiterbildung und informelle Stammtische sowie das jährliche Sommerfest ermöglichen den Austausch unter den Mitgliedern. Darüber hinaus fördert der Verein u. a. Studienprojekte, Abschlussarbeiten oder Exkursionen.
In der Reihe „Kultur-Karrieren“ fragen wir regelmäßig Absolvent*innen des Masterstudiengangs Kulturwissenschaft und Kulturmanagement, wohin sie das Studium geführt hat.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„Ich beschäftige mich derzeit mit der Planung von Marketingkampagnen für die nächsten Sonderausstellungen. Im Bereich Visitor Services sorge ich dafür, dass das in 2025 neu eingeführte Ticketing-System laufend optimiert und kundenfreundlich angewendet wird.“
Diese Erkenntnis aus dem Studium hilft mir besonders im Berufsalltag:
„Im kulturpolitischen Kontext öffentlicher Kulturbetriebe ist es nachvollziehbar, von Kunst und Kultur für alle zu sprechen, doch werden in der Praxis nie alle Menschen gleichermaßen erreicht. Gerade im Marketing von Kunstmuseen ist es daher entscheidend, mit begrenzten Ressourcen gezielt jene Zielgruppen anzusprechen, die sich für Kunst im Allgemeinen oder für bestimmte Künstlerinnen oder Künstler im Besonderen interessieren oder von der Kunst beziehungsweise den Künstlerpersönlichkeiten begeistern lassen.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 09.07.2026.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„Die strategische Ausrichtung des Theater & Konzerthaus Solingen, ein großes Gastspielhaus mit insgesamt drei Sälen und rund 1.750 Plätzen, liegt aktuell in meinem Fokus.“
Meine Rolle als Kulturmanagerin:
„Als Kulturmanagerin ermögliche ich die konkrete Umsetzung von Ideen und Projekten. Ich sehe mich selbst als Netzwerkerin, Ideengeberin und möchte Menschen auch unterschiedlicher Haltungen zusammenbringen.“
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
„Das Arbeiten im Team, der kreative Prozess der Projektentwicklung und die gemeinsame Freude, wenn ein Projekt erfolgreich ist.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 18.06.2026.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„Als Senior Underwriter und Kunstsachverständiger bei der ARTE Generali bewerte ich Kunstwerke und Sammlungen, um maßgeschneiderte Versicherungslösungen für private und institutionelle Kunden zu entwickeln. Dabei verbinde ich Marktkenntnis, Risikobewertung und kunsthistorisches Wissen, um den bestmöglichen Schutz für wertvolle Kulturgüter langfristig sicherzustellen.“
In dieser Rolle sehe ich mich als Kulturmanager*in:
„Ich verstehe mich als Schnittstelle zwischen Kunstwelt und Versicherungsbranche. Mein kulturwissenschaftlicher Hintergrund ermöglicht es mir, die aktuellen Entwicklungen des Kunstmarkts einzuordnen und komplexe Risiken sowohl analytisch als auch kommunikativ zu begleiten. So schaffe ich ein Bewusstsein für potenzielle Gefahren und unterstütze unsere Kunden dabei, diese nachhaltig zu reduzieren.“
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
„Mich begeistert der enge Austausch mit Sammlern, Museen und unseren Vertriebspartnern – jeder Fall eröffnet neue Perspektiven.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 21.05.2026.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell mit vielen verschiedenen Dingen: Ich bereite die nächste Treibhausgasbilanz vor, stelle Anträge auf finanzielle Unterstützung durch Stiftungen und andere Drittmittelgeber, plane die Durchführung unseres Dirigierwettbewerbs und besuche außergewöhnliche Orte, die potenzielle Auftrittsorte sein könnten.“
Meine Rolle als Kulturmanagerin:
„Ich sehe mich in meinen Arbeitsbereichen als Vermittlerin zwischen unserem Betrieb und externen Stakeholdern. Ich verstehe mich aber auch als gestalterische Entwicklerin, z.B. wenn ich versuche, Nachhaltigkeit in unserem Haus voranzutreiben, oder bei der Konzeption neuer Projekte beteiligt bin (wie z.B. Konzerte in der Einkaufsgalerie, auf einem Pferdegestüt oder unserer Krabbelmatinee für Eltern mit Kleinkindern).“
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
„Mich begeistert die Vielfältigkeit der Aufgabenbereiche und dass ich bis zu einem gewissen Grad Entscheidungsfreiheit habe, welche Themen fokussiert werden.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 11.05.2026.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„Für das Archäologische Nationalmuseum Athen befinden wir uns derzeit in der Konzeptphase. Dabei geht es nicht nur darum, archäologische Objekte und Inhalte räumlich sinnvoll zu verorten, sondern auch darum, Formen der Präsentation zu entwickeln, die es den Objekten ermöglichen, die Geschichten zu erzählen, die wir – gemeinsam mit den Kurator*innen – vermitteln möchten. Parallel arbeiten wir an einem Inklusionskonzept, damit die Inhalte auch wirklich für alle Besucherinnen und Besucher zugänglich sind.“
Meine Rolle als Kulturmanagerin:
„Ich verstehe mich ganz stark als Übersetzerin: als Vermittlerin zwischen Inhalt und Gestaltung, zwischen kuratorischem Team und Designteam. Meine Aufgabe ist es, wissenschaftliche Inhalte in eine besucher*innenorientierte Ausstellungsgestaltung zu übersetzen und die inhaltliche Kohärenz des Projekts zu steuern.“
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
„Mein Beruf ist unheimlich vielseitig. Aktuell arbeite ich zu griechischer Antike und anatolischer Geschichte, habe aber auch schon Inhalte für ein Schokoladenmuseum, ein Motorradmuseum oder eine Ausstellung über Wildtiere entwickelt. Ich empfinde es als großes Privileg, mit so unterschiedlichen Themen und Objekten zu arbeiten und dabei Menschen mit verschiedensten kulturellen und beruflichen Hintergründen kennenzulernen.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 24.03.2026.
Damit beschäftige ich mich aktuell in meinem Beruf:
„Derzeit organisiere ich das Fotoshootings für das kommende Spielzeitbuch und denke dabei direkt die Ankündigung der kommenden Spielzeit mit. Zeitgleich stehen schon die nächsten Premieren vor der Tür. Jede Produktion bekommt gesonderte Aufmerksamkeit.“
Meine Rolle als Kulturmanagerin:
„Ich denke sowohl aus dem Inhalt der Inszenierungen heraus als auch aus der Sicht des Marketings. Wo liegen die Stärken einer Produktion? Was lässt sich vielleicht ästhetisch hervorheben und in welchen Formaten kommuniziere ich das?“
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
„Kein Tag ist wie der andere.“
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 27.02.2026.
In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell...
"... überwiegend mit der gesamten Eventorganisation, von Personal(-führung) und Finanzen bis hin zu Marketing. Auch die Aushandlung von Filmen und politischen Events gehören zu meiner Tätigkeit. Das Kuratieren verschiedener Veranstaltungen sowie die grafischen Entscheidungen geben mir den notwendigen kreativen Kick im Alltag."
Diese Erkenntnis aus dem Studium hilft mir besonders im Berufsalltag:
"Die Seminare, an die ich öfters zurückdenke sind Finanzierung, Controlling, Eigenpublikationen und Personalführung. Es fällt mir leichter, im Alltag Entscheidungen zu treffen, da ich die Inhalte dank des Studiums besser verstehe. Klar, die Erfahrung spielt eine große Rolle, doch das Verständnis für die Situation und die Relevanz der Entscheidungen kommt doch auch vom Studium."
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
"Kulturarbeit ist Arbeit für die Seele. Menschen nehmen Kultur gerne wahr. Egal, ob sie Kultur nur für sich selbst konsumieren oder gemeinsam: Es ist etwas für die Seele, was auch Menschen näher zusammenbringt. Das mit Bildungsarbeit zu mischen finde ich super spannend. Den Menschen andere Realitäten aufzeigen, oder ihnen ein Stückchen ihrer Heimat in ihre Nähe zu bringen, sich für einen Moment aus ihrem stressigen Alltag entführen oder spielerisch über wichtige Themen aufzuklären."
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 26.03.2025
In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell mit ...
…der Frage, wie man ein mehrwöchiges, klassisches Musikfestival nachhaltiger gestalten kann. Außerdem beschäftige ich mich viel mit Stiftungsrecht, Satzungsänderungen, Förderrichtlinien und einer langsamen Annäherung an das Thema Controlling.
In dieser Rolle sehe ich mich als Kulturmanager*in:
Ich verstehe mich vor allem als Schnittstelle bzw. Vermittlerin. Zum einen zwischen den Kolleg*innen aus den verschiedenen Abteilungen, zum anderen aber auch zwischen Team und aller Art von Stakeholdern.
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
… unser Teamgefühl. Mit einem recht kleinen Team drei Festivals, eine Kammermusikreihe und insgesamt rund 100 Veranstaltungen im Jahr zu organisieren und dabei immer Spaß zu haben und sich eine gewisse Leichtigkeit zu bewahren, ist eine wirkliche Leistung!
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 09.05.2024
In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell mit...
"… Studien zu Besucher*innen und Nichtbesucher*innen von Kultureinrichtungen, die wir für unterschiedlichste Auftraggebende konzipieren und auswerten."
Diese Erkenntnis aus dem Studium hilft mir besonders im Berufsalltag:
"Das Publikum steht im Mittelpunkt."
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
"Die Vielfalt der Projekte und die Möglichkeit, Kulturbetriebe auf dem Weg zu mehr Publikumsorientierung zu unterstützen."
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 21.03.2024
In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell mit...
"… der Frage, wie Kultureinrichtungen in Baden-Württemberg sich langfristig inklusiv ausrichten können. Dabei geht es in erster Linie darum, Menschen mit Behinderung Zugang zu Kultur zu ermöglichen und gleichzeitig die Strukturen in den Häusern so zu verändern, dass auch das jeweilige Haus selbst (z.B. in der Personalaufstellung) inklusiver wird."
In dieser Rolle sehe ich mich als Kulturmanager*in:
"Ich bin vor allem Netzwerkerin. Außerdem erfülle ich viele Aufgaben im Feld des Projektmanagements und der Veranstaltungsplanung."
Das schätze ich an meinem Beruf besonders:
"Der Kontakt zu vielen, sehr motivierten Menschen im Feld Inklusion, sowohl Menschen mit gelebter Erfahrung als auch Menschen, die sich als Ermöglichende begreifen und aktiv im Netzwerk Dinge umsetzen.
Auch innerhalb der LKJ gibt es ein tolles Wir-Gefühl und ich kann mich voll mit der Haltung in Hinblick auf Diversität, Vielfalt und Teilhabe identifizieren.
Meine Stelle bietet mit zudem viele Freiheiten und Gestaltungsmöglichkeiten und ich erhalte von vielen Seiten Wertschätzung für meine Tätigkeit. Das motiviert, dran zu bleiben!"
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 04.04.2024
In meinem Beruf beschäftige ich mich aktuell mit ...
"... der Entwicklung und Kuration des Programms für die 2. Jahreshälfte und was Design in der heutigen Zeit leisten kann und muss."
In dieser Rolle sehe ich mich als Kulturmanagerin:
"Mit meiner Arbeit möchte ich Menschen begeistern, berühren, zum Nachdenken und anders denken anregen. Ich finde es spannend, neue Formate auszuprobieren, weg von konventionellen Lösungen. All das bietet dieser Beruf."
Erstmals veröffentlicht auf Instagram (@kulturmanagementludwigsburg) am 14.03.2024
Mit dem Format "Drei Fragen an..." haben wir bis 2023 Absolvent*innen unseres Studiengangs zu ihren aktuellen Tätigkeiten befragt. Viel Spaß beim Stöbern!
Lieber Herr Bemmé, Sie beschäftigen sich seit vielen Jahren mit dem Thema Projektmanagement. Diese Kompetenz verändert sich, inzwischen wird häufig von agilem Projektmanagement gesprochen. Worin liegen die Unterschiede?
Manche Vorgehensweisen im agilen Projekttagesgeschäft unterscheiden sich weniger von denen des ‚klassischen‘ Projektmanagements als viele annehmen. So ist etwa ein eher agiles ‚Kanban-Board‘ nur eine Variante der ‚Aktivitäten-Liste‘ im klassischen Projektmanagement. Zugleich steht hinter einer genuin agilen Arbeitsorganisation tatsächlich ein vom klassisch-managerialen Denken und Handeln grundlegend abweichendes Werte-, Denk- und Handlungsmodell. Nehmen im klassischen Projektmanagement die Risikominimierung und Fehlerprävention durch frühe und vollumfängliche Projektplanung viel Zeit und Raum ein, beschränkt sich das agile Handeln auf die akkurate Planung jeweils nur der nächstbekannten Schritte. Fehler im Prozess sind eine bewusst in Kauf genommene Lernchance, sprich, werden als Bereicherung angesehen. Gilt im klassischen Projektmanagement der Leitsatz „Geliefert wie bestellt“ (der Projektvertrag regelt alles), so könnte er im agilen Denken eher „Geliefert wie gewollt“ lauten, das heißt, allein die Auftraggebenden-Freigabe entscheidet.
Was bedeutet das für KulturmanagerInnen: Welche weiteren Kompetenzen sind notwendig, müssen aufgebaut oder gestärkt werden? Und wo liegen die Herausforderungen?
Die Anforderungen zum erfolgreichen agilen Arbeiten adressieren vor allem die Sozial- und Methodenkompetenzen der beteiligten Akteurinnen und Akteure und lassen sich am besten als (sozialer) ‚Reifegrad‘ bezeichnen. Geisteshaltung und gemeinsam geteilter Werterahmen sind hierbei einerseits wünschenswertes Ergebnis agilen Wirkens, andererseits seine Voraussetzung. Hierzu zählen der Wille, die Fähigkeit und die Fertigkeit, Verantwortung zu übernehmen, ebenso wie der Wille zu Eigeninitiative, Selbstführung und Selbststeuerung, zu Vereinbarung und Vereinbarungstreue auf Basis gemeinsam geteilter Spielregeln. Das braucht den Mut der beteiligten Letztverantwortlichen, den Raum für teilautonomes, selbststeuerndes Arbeiten bewusst zu schaffen und die Resultate anschließend akzeptieren, aushalten und wertschätzen zu können. Insofern lässt sich sehr verkürzt sagen, dass sich agiles Arbeiten nicht sonderlich gut mit autoritären funktionshierarchischen Entscheidungsstrukturen oder rein direktiven Führungsdenk- und Verhaltensmustern verträgt.
Kann der Ansatz des agilen Projektmanagements auch in öffentlichen Kulturbetrieben funktionieren?
Einzelne Vorgehensweisen können auch in öffentlichen Kulturbetrieben Anwendung finden. Sinnvoll wäre zum Beispiel, die über Jahrzehnte etablierten Besprechungsrituale durch häufigere (etwa tägliche) und einzelergebnisfokussierte Meetings (‚Daily Stand-ups‘) zu ersetzen und sie dafür auf eine Viertel- oder halbe Stunde zu begrenzen. Die vollständige Adaption eines agilen Mind-Sets wird wiederum vermutlich schwierig und ist womöglich auch nicht die probate Antwort auf alle Fragen. In einer traditionell auf Stabilität, Zuverlässigkeit, Wiedererkennbarkeit von Prozessen und Entscheidungswegen aufgebauten Umgebung ist das Bewusstsein für die Potenziale kollektiver Entscheidungen, für geteilte Verantwortung, für eine hohe Leistungsabnehmerinnen- und -nehmer-Orientierung und für eine Kultur der Zielvereinbarung vermutlich weniger ausgeprägt.
Die Fragen stellte Dr. Petra Schneidewind
Lieber Herr Bensch, Sie sind Leiter der Abteilung Kultur und bürgerschaftliches Engagement der Stadt Tuttlingen. Was fasziniert Sie an Ihrer Arbeit?
Nach gut acht Jahren Kulturabteilungsleitung wurde mir zu Jahresbeginn 2022 vom Gemeinderat die Fachbereichsleitung Schulen, Sport und Kultur übertragen – die Kultur bekommt künftig also noch zwei thematische Geschwister! Die Faszination im Kulturbereich liegt für mich aber nach wie vor in den Gestaltungsmöglichkeiten, da wir in Tuttlingen dank vergleichsweise rosiger örtlicher Rahmenbedingungen viele Ideen mit den verschiedensten Projektpartnern umsetzen können – wenn nicht gerade Pandemiebekämpfung wichtiger ist. Insbesondere Projekte mit Schulen, Vereinen und Organisationen sorgen für immer neue Impulse und Erfahrungen, und zwar für alle Beteiligten.
Sie haben Politik- und Verwaltungswissenschaft in Konstanz sowie Kulturmanagement in Ludwigsburg studiert. Haben Sie Ihr Studium bewusst auf einen Berufswunsch ausgerichtet?
Absolut. Ich komme aus einem politischen Elternhaus, weswegen einem politischen Engagement von Anfang an Tür und Tor offenstanden; entsprechend habe ich früh politische Willensbildungsprozesse erleben und mitgestalten dürfen. Da half und hilft mir wohl auch die Selbstwirksamkeitserfahrung auf kommunaler Ebene, mit der Sinnfrage umzugehen. Neben diesen politischen und philosophischen Fragen fasziniert mich auch dieses schwer greifbare und kaum beschreibliche Phänomen, mit der reinen Schönheit in Berührung zu kommen, wie ich es erlebe, wenn ich etwa Ibrahim Maalouf höre, den ich sehr empfehle. Gerade in Kunst und Kultur zu erleben, zu welch unfassbar schönen Werken der Mensch in der Lage ist, gibt Hoffnung, um nicht aufzugeben, zum Zyniker oder Opportunisten zu werden, sondern – so anstrengend es auf Dauer sein mag – sich für eine für alle Menschen lebenswerte Zukunft einzusetzen und für das zu arbeiten, was diesem Ziel dient. To be continued…
Dem Kulturbetrieb wird immer wieder geraten, er solle sich mehr von öffentlichen Modellen der Finanzierung lösen. Wie blicken Sie mit Ihrer Expertise auf diese Forderung?
Aus betrieblicher Sicht ist die ergänzende Erschließung neuer Kanäle zur Beschaffung von Ressourcen sicher ratsam, ungeachtet des Drucks auf öffentliche Haushalte. Sprich: das eine tun, ohne das andere zu lassen, wobei es im Kulturbetrieb durchaus einen Unterschied macht, ob ich ein großes Theater, eine e.V.-Musikschule oder eine öffentliche Bibliothek im Kopf habe. Ich würde nämlich trotz aller vielversprechenden Möglichkeiten der Mittelakquise die Politik nicht zu leicht aus der Verantwortung lassen, denn den öffentlichen Kulturauftrag gibt es ja. So ist Sponsoring sicherlich vieles, aber eben nicht zwingend krisensicher, wie es der FC Chelsea derzeit deutlich feststellt. Solange unsere Programme wirken und sich rechtfertigen, ist nach meinem Dafürhalten die Kultur ein großartiger Bereich, um öffentliche Mittel sinnvoll und zilegerichtet einzusetzen. Wer nicht an die Legitimität, Wirkung und Wichtigkeit der eigenen Angebote glaubt, wird es sicherlich im Verteilungskampf um Ressourcen schwer haben. Für mich ist es unbestritten, dass Kunst und Kultur einen sehr wertvollen Beitrag für das Zusammenleben der Bürgerinnen und Bürger leisten können und sollten.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch
Lieber Herr Lohnert, Sie sind Musiker und Manager – letzteres hat Sie an die Spitze der Stuttgarter Messe geführt. Musik und Messe: Gibt es etwas, das beide Felder verbindet?
Es gibt durchaus Parallelen zwischen einem guten Musikstück und einer Messe. Als Musiker und Künstler betrachte ich Messen ebenso als Bühnen. Sie bieten Plattformen für Aufführungen unterschiedlichster Art. Wie ein gutes Schauspiel oder eine Oper, hat jede Messe ihre eigene Dramaturgie, eine besondere Inszenierung, eine Botschaft und ein Publikum. Die ‚Botschaft‘ einer Messe sind die gezeigten Innovationen und Produktweiterentwicklungen. Das ‚Publikum‘ sind die Besucherinnen und Besucher. Die Interpretation des Messethemas kann, wie bei der Musik auch, höchst unterschiedlich sein. Und am Ende steht der Applaus: das Brot des Künstlers, die Quittung für die dargebotene Attraktivität. Bei Messen wird dieser Applaus gemessen an einer Wiederausstellungsabsicht der Ausstellenden und der Wiederbesuchs- und Weiterempfehlungsabsicht der Besucherinnen und Besucher. Informationen, die wir aus unserer Aussteller- und Besucherbefragung generieren.
Sie haben in Ludwigsburg studiert: Welche Bedeutung hatte diese Zeit für Sie? Woran denken Sie (besonders) gerne zurück?
Ich gehörte seinerzeit zu den ersten Studierenden. Der Studiengang "Öffentliche Kulturarbeit und Kulturmanagement" war neu und wurde berufsbegleitend als Pilotprojekt angeboten, heute ist er als Vollzeitstudium etabliert. Wir waren so um die 16 bis 18 Studierende, ein ziemlich bunter Haufen. Was als eine Art Kaderschmiede in diesem Bereich gedacht war, hat höchst unterschiedliche Karrieren in Politik, Kultur und Messewesen hervorgebracht. Die Netzwerke bestehen bis heute fort, wir tauschen uns untereinander immer noch aus. Mir hat das Studium die notwendigen Ressourcen für meinen jetzigen Beruf vermittelt: umfangreiches Wissen in den Bereichen Projektmanagement, Recht, Finanzen, Buchhaltung, Marketing, Kommunikation und Vertragswesen. Als Musiker hat man von diesen Themen meist wenig Ahnung.
Was würden Sie einem jungen Kulturmanager raten: Was am allgemeinen Management, das Sie heute betreiben, ist auch fürs Kulturmanagement besonders wichtig?
Unternehmerisches Denken und betriebswirtschaftliches Handeln sind unumgängliche Skills, die man im Management mitbringen muss. Sie bilden die Basis. Nonstop Netzwerken - und zwar über den Kulturbereich hinaus - ist notwendig als Überbau, um Weitblick zu generieren und ein bis zwei Mentorinnen oder Mentoren zur Unterstützung zu gewinnen. Unerlässlich ist es zudem, multioptional aufgestellt zu sein. Ein Produkte-Mix ist essentiell, Flexibilität in unserem Business ein Muss. Es wäre zu riskant, nur auf ein Pferd zu setzen.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Liebe Frau Göhner, Sie verantworten erstmals die Internationale Kulturbörse in Freiburg. Was reizt Sie an dieser Aufgabe?
Vorweg einige Informationen zur Internationalen Kulturbörse Freiburg (IKF): Die IKF ist eine Fachmesse für Bühnenproduktionen, Musik und Events. Mit ca. 200 Live-Auftritten auf fünf Bühnen aus den Bereichen Darstellende Kunst, Musik und Straßentheater, 400 Ausstellenden und über 4500 Fachbesucherinnen und -besuchern gehört sie zu den wichtigsten und zentralen Foren der Kultur- und Eventbranche im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 1989 gegründet und findet vom 26. bis zum 29. Januar 2020 zum 32. Mal statt. Als Kulturmanagerin reizt mich hier die Bandbreite des Aufgabenspektrums und die damit verbundenen Gestaltungsmöglichkeiten: So gehören zu meinen Tätigkeiten unter anderem die Erstellung und Überwachung des Budgets, die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, der Ausbau und Aufbau unserer verschiedenen Netzwerke, ebenso wie die Akquise neuer Messebesucher und Künstler. Momentan sind wir dabei, ein neues Corporate Design für die IKF zu entwickeln und umzusetzen.
Inwiefern hat Sie das Ludwigsburger-Studium auf Ihre berufliche Tätigkeit vorbereitet?
Ich habe sehr viel über Marketing, Presse- und Öffentlichkeitsarbeit und über Projektmanagement gelernt. Auch die Auseinandersetzung mit kultursoziologischen und -politischen Fragestellungen während des Studiums war für meine weitere berufliche Laufbahn wichtig.
Wenn Sie jüngeren Kulturmanagerinnen und -managern einen Rat geben sollten: Worauf kommt es im Kulturbereich an - allgemein und bei einer Leitungsaufgabe wie der Ihrigen?
Wichtig ist für mich, offen für Veränderungen zu bleiben. Insbesondere gilt es, gesellschaftliche Entwicklungen und ihre Auswirkungen auf den Kulturbereich im Blick zu haben. Um nur ein Beispiel zu nennen: Seit einigen Jahren findet ein generationsbedingter Wechsel in der Veranstaltungsbranche statt. In diesem Zusammenhang müssen wir uns als Veranstalter überlegen, wie wir die nachwachsende Generation der Kultur- und Eventfachleute erreichen und wie wir das Programmangebot für die neue Generation attraktiv gestalten können. Bei einer Leitungsaufgabe im Kulturbereich kommt es für mich unter anderem darauf an, eine klare Vorstellung davon zu haben, wohin ich mein Projekt in der Zukunft entwickeln möchte. Ferner gehört für mich die Fähigkeit dazu, ab und an einen Perspektivwechsel vornehmen zu können und mich in die Bedürfnisse meiner Zielgruppen hineinzuversetzen.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Welche Herausforderungen warten auf die PR großer Kultureinrichtungen in den nächsten Jahren?
Auch wenn man da als Ludwigsburger Kulturmanager vermutlich Hausverbot bekommt: Große Kultureinrichtungen möchten – auch bedingt durch ihren Auftrag – wenn nicht alle, so doch möglichst viele Menschen erreichen. Fakt ist, dass sich die Öffentlichkeit zunehmend zersplittert, vor allem in punkto Medienverhalten. Über gedruckte Zeitungen, die lange die Leitmedien in der PR waren, erreiche ich Publikum unter 30 oder mit Migrationshintergrund kaum. Folglich muss ich mir neue Kanäle suchen, hier spielen auch Multiplikatoren wie Peer Groups eine immer wichtigere Rolle. Ich denke, dass kein Medium in den nächsten Jahren ein anderes komplett ersetzen wird, und man hier breit aufgestellt sein muss. Ebenso wichtig ist es, die Besucherinnen und Besucher nach Special Interests aufzuteilen. Wir machen das schon seit Jahren und haben sie nach geografischen Interessen (Afrika, Ostasien etc.) oder Formatvorlieben (Aktionsprogramme, Vorträge etc.) segmentiert, so dass wir sie ganz gezielt auf die für sie spannenden Termine ansprechen können.
Das Linden-Museum postet und twittert, um junge Besucher zu erreichen. Ist das der Weg in die Zukunft?
Wir schätzen soziale Medien sehr für die Möglichkeiten, die sie bieten: das Museum hinter den Kulissen zu präsentieren, zu zeigen, was die Kolleginnen und Kollegen hier täglich machen, oder auch mal „live“ von einer Veranstaltung zu twittern. Zentral sind Austausch und Vernetzung, die bei uns über Twitter eine sehr starke internationale Ausprägung haben. Soziale Medien sind damit sicherlich ein Weg unter vielen, um neue Besuchergruppen zu gewinnen – wobei man ganz klar feststellen muss: Nur weil ich bei Facebook, Twitter oder YouTube bin, erreiche ich nicht automatisch junge Leute. Will sagen: Wenn die Inhalte und die Angebote, die ich mache, „alt“ sind, nützt auch das hipste Medium nichts.
Welche Rolle spielen narrative Vermittlungsansätze für die PR der Zukunft?
Museen sollten grundsätzlich immer Objekte zum Sprechen bringen und Geschichten erzählen. Geschichten vermitteln auf lebendige Weise Wissen und unterhalten. Was Besucherinnen und Besucher in der Ausstellung fesselt, funktioniert auch bei Journalisten oder Bloggerinnen, die ihre Leserinnen und Leser ja auch nicht mit drögen Fakten füttern möchten. Und das Schöne daran: Gute Geschichten werden immer weiter erzählt.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Lieber Herr Raithel, was zeichnet für Sie den Kulturstandort Ludwigsburg aus?
Ludwigsburg ist trotz seiner überschaubaren Größe und der Nähe zu Stuttgart lebendig und vielseitig. Die Ludwigsburger Schlossfestspiele und das Residenzschloss mit seinen Museen gehören sicherlich zu den Highlights. Aber auch das Kunstzentrum Karlskaserne als kreatives Ausbildungs- und Produktionszentrum, das städtische Kulturprogramm im Forum am Schlosspark oder die liebevoll geführten Programmkinos sind ausgewiesene Stärken. Kulturpolitisch hat die Stadt mit dem Bau der Akademie für Darstellende Kunst Baden-Württemberg neben der Filmakademie und der Eröffnung des MIK als Dach von Kunstverein, Stadtmuseum und Tourist Information Mut und Weitblick bewiesen. In letzter Zeit beobachte ich allerdings eine gewisse Verwässerung von Profilen. Auch die Diskussion um die so genannte Kulturelle Bildung steht häufig zu stark im Fokus. Die Orientierung an Qualität darf nicht verloren gehen. Spielräume für Projekte, für Experimente sollten erhalten und ausgebaut werden. An manchen Stellen würde ich mir mehr Aufrichtigkeit und Mut zum großen Wurf wünschen. Ich vermisse vor allem beim Stadtmarketing ein Bekenntnis zur Kulturstadt Ludwigsburg. – Dennoch ist Ludwigsburg eine wunderbare Stadt mit vielen Möglichkeiten!
Die Karlskaserne beherbergt verschiedene Kultureinrichtungen. Welche Rolle wird Ihnen in diesem Verbund zuteil?
Im Wesentlichen geht es um die Organisation von Abläufen, um Belegungen, den Spielplan, um Kommunikation, Vermittlung zwischen den Interessen, um Lobbyarbeit für die ansässigen Kultureinrichtungen. Eine aktuelle Frage ist etwa, wie sich die Karlskaserne als außerschulischer Lernort positioniert. Eine permanente Aufgabe ist die bauliche und finanzielle Weiterentwicklung. Kurzum: Es geht um die Ermöglichung von Kunst und Kultur.
Die Kunstschule Labyrinth, die Jugendmusikschule, die Junge Bühne und weitere Initiativen widmen sich der Kulturellen Bildung. Vor welchen Herausforderungen stehen sie?
Alle Einrichtungen fragen sich, wie sie sich angesichts grundlegender Veränderungen an Kindergärten und Schulen in Position bringen bzw. neu erfinden. Mit welchem Konzept und unter welchen Voraussetzungen gehen wir an die Schulen? Wie schaffen wir es, unser Kerngeschäft und unseren Qualitätsanspruch zukunftsfähig zu machen und unsere Einrichtungen auch finanziell aufrecht zu erhalten? Denn (künstlerische) Qualität hat ihren Preis!
Die Fragen stellte Dr. Yvonne Pröbstle.
Liebe Frau Irmer, Sie sind seit dem Jahr 2008 an der Komischen Oper tätig. Was reizt Sie an diesem Haus? Was macht die Komische Oper für Sie aus?
Ich bin eher zufällig hier gelandet, aber ich habe das Haus lieben und schätzen gelernt. Es ist in jedem Fall ein besonderes Haus, das sich von den beiden anderen Berliner Opernhäusern stark unterscheidet. Unser Programm ist vielfältiger, und das spiegelt sich auch im Publikum wider, ebenso wie in unserem Förderkreis. Ich würde sagen, dass sich diese Vielfalt selbst bei den Kolleginnen und Kollegen zeigt. Diese Vielfalt macht meine Aufgabe etwas schwieriger, aber auch interessanter. Das nicht homogene Publikum ist eine Herausforderung bezogen auf das Spendenverhalten und die Angebote für die oft völlig unterschiedlichen Menschen. Gleichzeitig erlebe ich, dass viele unseren Förderkreis sehr attraktiv finden, weil hier eben nicht alle über 70 und und im gleichen Club sind. Insgesamt liebe ich die Lebhaftigkeit in diesem Haus und die Musik, die mich letztendlich auch hergeführt hat.
Wie sieht Ihr Aufgabenfeld als Leiterin des Förderkreises und Referentin für Sponsoring konkret aus?
Meine Arbeit ist ein Mix aus Veranstaltungs- und Reisemanagement, Spendenverwaltung und -akquise, allgemeiner Verwaltungstätigkeit (Buchhaltung, Jahresabschluss etc.), Psychologie – das Einstellen und Einfühlen in die vielen unterschiedlichen Menschen ist sehr wichtig – und Kommunikation: das Erstellen und Verfassen von Publikationen wie dem Newsletter, die Pflege der Website, die Beantwortung von E-Mails, das Telefonieren oder die persönliche Begegnung mit Förderern nehmen einen Großteil des Arbeitsalltags ein. Das ist zeitinensiv, trägt aber definitiv zur Bindung der Menschen bei und führt so auch zu höheren Spenden und mehr Engagement.
Die Komische Oper praktiziert die Kommunikation mit einem interkulturellen Publikum. Inwiefern ist davon auch Ihr Bereich betroffen? Wo sehen Sie die großen Herausforderungen der Zukunft?
Wir haben festgestellt, dass dieser zunächst gar nicht so einfach zu kommunizierende Aspekt zum Favoriten bei der Akquise von Drittmitteln geworden ist. Wenn wir neue Partner suchen, ist unser Projekt Selam Opera! sehr gefragt, mittlerweile werden wir sogar konkret darauf angesprochen. Es gibt Förderer, die auf Feiern für diesen Zweck eigeninitiativ Spenden sammeln, was uns sehr freut! Außerdem haben wir internationale Förderkreismitglieder – die bei uns höchste Förderstufe – unter anderem eine türkische Kuratorin. Der Anfang war schwer, aber wir haben nicht aufgegeben und immer daran geglaubt! Eine Herausforderung für die Zukunft ist, unseren Förderkreis noch bunter und jünger werden zu lassen, noch mehr Gelder für die Oper zu akquirieren und das Thema Erbschaftsfundraising erfolgreich zu etablieren.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Lieber Herr Wall, neben Ihrer Tätigkeit als Geschäftsführer einer Stiftung, als Kunstberater und Kurator sind Sie im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst als Leiter des Forums „Digitale Welten“ beteiligt. Was sind Ihre wichtigsten Erkenntnisse?
In diesem Dialog wurde allen Beteiligten klar, dass Digitalisierung im Kulturbetrieb mehr ist als die Digitalisierung der bestehenden Verhältnisse. Digitalität geht sehr viel tiefer in die Strukturen der Institutionen, sie verändert diese grundlegend. Alle Bereiche einer Institution, von der Wissenschaft bis hin zur Kommunikation und Verwaltung, sind von diesen neuen Bedingungen betroffen, allen voran der Umgang mit den Besucherinnen und Besuchern. Digitalität braucht letztendlich einen Bewusstseinswandel sowohl bei den Mitarbeitenden als auch den Führungskräften. Dieser Wandel ist natürlich auch mit infrastrukturellen Herausforderungen verbunden (Technik, Software etc.) und ist ein Prozess, der nie zu einem Ende kommen wird. Wir müssen uns auf ein kontinuierliches Weiterentwickeln in den nächsten Jahren und Jahrzehnten einstellen. Es hat sich im Prozess aber noch ein weiterer, vielleicht noch wichtigerer Punkt herauskristallisiert: Wir müssen die digitalen Entwicklungen vor dem Hintergrund unseres aufklärerischen Erbes einordnen und bewusst gestalten.
Was sind Ihrer Einschätzung nach die Qualitäten, die eine Kulturmanagerin oder ein Kulturmanager unter diesen Voraussetzungen mitbringen sollte?
Eine wichtige Qualität ist, unabhängig von der inhaltlichen Kompetenz, große Offenheit – und zwar nicht nur gegenüber unterschiedlichen Themen, sondern auch gegenüber den Besucherinnen und Besuchern. Es hat sich gezeigt, dass sich die Deutungshoheit in den Institutionen durch die digitalen Möglichkeiten verschoben hat. Die Zeiten, in denen die Kulturinstitutionen festgelegt haben, was das Wahre, Gute und Schöne ist, sind zu Ende. Themen und Präsentations- und Darstellungsformen müssen gemeinsam mit dem Publikum entwickelt werden. Nur so wird man in Zukunft in der Lage sein, es interessiert zu halten und die gesellschaftliche Relevanz der Kulturinstitutionen aufrecht zu erhalten. Außerdem sollte man als Kulturmanager in der Lage sein, die Kulturarbeit im oben angedeuteten gesamtgesellschaftlichen Rahmen zu sehen. Es geht um die Zukunft unserer bürgerlichen Gesellschaft.
Sie haben am Institut für Kulturmanagement zum „unmöglichen Museum“ promoviert. Inwiefern hat Sie das in Bezug auf Ihre jetzigen Tätigkeiten geprägt?
Mein Promotionsthema begleitet mich bis heute, auch wenn sich die Themen, mit denen ich mich in der Praxis beschäftige, natürlich sehr gewandelt haben. Letztendlich geht es in meiner Dissertation um das problematische Verhältnis der Institution zu ihren Inhalten, also vom Kunstmuseum zur Kunst. Mir ist damals aufgefallen, dass die Strukturen der herkömmlichen bürgerlichen Kunstinstitutionen nicht mehr zu der Kunst passen, die sie präsentieren und vermitteln sollen. Aus heutiger Perspektive kann ich sagen, dass ich mich damals schon mit dem grundlegenden Wandel der Institution auseinandergesetzt habe, mit Flexibilisierung, Öffnung, mit dem Verhältnis zu den Betrachtenden. Alles Dinge, die mich weiter beschäftigen und von denen meines Erachtens die Zukunft des bürgerlichen Kulturbetriebs abhängt.
Die Fragen stellte Natascha Häutle M. A.
Liebe Frau Kraft, als Kulturmanagerin und Kommunikatorin sind Sie an der Schnittstelle zwischen kulturellem Erbe und Kulturtourismus tätig. Was macht diese Schnittstelle aus?
Das Besondere an unserer Arbeit ist die Vielfalt der rund 60 historischen Monumente, für die wir zuständig sind. Im Fokus unserer Arbeit steht eine landesweite Familie aus Schlössern, Gärten, Klöstern, Burgen und Kleinodien. Es gibt natürlich touristische Leuchttürme wie Schloss Heidelberg oder Kloster Maulbronn, die in der Vermarktung einen anderen Stellenwert einnehmen, aber von ihnen profitieren die kleineren Monumente mit. Eine weitere Spezifik ist die Tatsache, dass es sich um authentische Originalschauplätze handelt, die bewahrt und geöffnet, aber auch vermittelt und vermarktet werden sollen.
Welche Zielvorgaben haben die SSG für die Vermittlung des kulturellen Erbes in der Region? Welche Rolle spielt die Kooperation mit Touristikerinnen und Touristikern?
In der Vermittlung verfolgen wir das Ziel, das kulturelle Erbe möglichst vielen Menschen nahe zu bringen. Ein Schwerpunkt sind Rundgänge im historischen Kostüm, kulinarische Erlebnisführungen und Programme für Familien. Als strategische Grundlage dienen uns zwei große Besucherbefragungen, aus denen wir Personas und deren Wünsche an einen Besuch abgeleitet haben. Eine große Chance sehen wir in den Möglichkeiten digitaler Anwendungen, mit denen Inhalte monumentverträglich, barrierefrei und spielerisch vermittelt werden können. Grundsätzlich besteht ein enger Austausch mit regionalen Partnern sowie Touristikerinnen und Touristikern. Es werden viele gemeinsame Projekte umgesetzt wie Feste, Märkte oder Veranstaltungen, Messeauftritte oder Aktionen im Bereich des Auslandsmarketings.
Welcher Strategien bedarf es, wenn man als Institution zwischen Denkmalpflege und Erlebnisraum angesiedelt ist: Gibt es ein gelungenes Beispiel?
Die Bewahrung der historischen Monumente ist die Grundlage jeder Präsentation und Vermittlung. Wir versuchen, die Besucherin oder den Besucher auf eine Zeitreise mitzunehmen, ohne die wertvolle Originalsubstanz zu gefährden. Schloss Ludwigsburg hat hierfür erfolgreiche Konzepte entwickelt. Familien sei das Kinderreich empfohlen, in dem sich Kinder verkleiden, auf einen Thron setzen oder im königlichen Bett Geschichten anhören dürfen. Erwachsene können sich bei einer Soirée royale kostümiert durch die Schlossräume bewegen, und nach einem königlichen Menü wird im Marmorsaal zum Tanz gebeten. Durch diese Angebote wird kleinen wie großen Besucherinnen und Besuchern ein individuelles und sinnliches Eintauchen in vergangene Zeiten ermöglicht.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Herr Boll, Sie haben 1999 Ihre Magisterarbeit über Kunstauktionen geschrieben. Heute arbeiten Sie bei Christie's. Haben sich die Ludwigsburger Theorie und die Praxis auf dem internationalen Parkett gut ergänzt?
Die Magisterarbeit und dann vor allem die Dissertation waren für mich entscheidende Schritte der theoretischen und empirischen Durchdringung eines Themas, das mich schon früher aus eigenem Erleben von Kunstauktionen fasziniert hat, wenn auch zugegebenermaßen eher durch Beobachtung und studentische Aushilfstätigkeiten denn als Bieter in Versteigerungen. Zum Glück hat die Freude am Erlebnis durch die theoretische Reflexion keinen Schaden genommen.
Wie hat sich das Berufsbild des Kulturmanagers in den vergangenen 20 Jahren verändert?
Der Kulturmanager ist in einem unvorhergesehenen Maße in den Blick der Öffentlichkeit geraten. Infolgedessen muss man von ihm erwarten, dass er den professionellen Umgang mit der Öffentlichkeit erlernt und pflegt. Ganz generell ist der steigende Grad an Professionalisierung auch in unserem Metier Herausforderung und Anspruch – was eine wunderbare Werbung für den Ludwigsburger Studiengang ist!
Das Institut feiert in diesem Jahr seinen 25. Geburtstag. Wie wird sich, Ihrer Meinung nach, das Berufsbild des Kulturmanagers in den kommenden 25 Jahren entwickeln?
25 Jahre sind ein junges Alter, erst recht in der Zeitrechnung der akademischen Ausbildung. Charakteristisch für junge Ausbildungswege ist deren interdisziplinärer Ansatz, der es ihnen erlaubt, sich sensibel und schnell auf verändernde gesellschaftliche Rahmenbedingungen einzustellen. Mit dieser Wachheit und Offenheit muss man auch künftige Absolventinnen und Absolventen ausrüsten, denn sie stellen grundlegende Voraussetzungen für eine erfolgreiche Tätigkeit in den Kulturbetrieben dar – nicht nur, aber auch in hohem Maße auf den internationalen Kunstmärkten.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Liebe Frau Funck, Sie sind Professorin für Restaurierung an der Kunstakademie in Stuttgart – Ihren Master-Abschluss haben Sie im Kulturmanagement erworben. Wie ergänzen sich Restaurierung und Kulturmanagement?
Das ergänzt sich wunderbar. Kulturguterhalt braucht eine öffentliche Stimme, wir Restauratorinnen sind die FürsprecherInnen von Kunst und Kulturgut. Die Inhalte der Fächer Öffentlichkeitsarbeit, Marketing, Sponsoring/Fundraising und Management aus dem Kulturmanagement helfen besonders dabei.
Was hat Sie bewegt, Kulturmanagement zu studieren? Wie konnten Sie die dort gelehrten Inhalte in Ihren Tätigkeiten konkret einsetzen?
Ich wollte neben meinem FH-Diplom einen Masterabschluss. Kulturmanagement hat mich wegen der vielen Querschnittsthemen gereizt. Aus der Verbindung beider Studiengänge (Diplomstudiengang Restaurierung und Master Kulturmanagement) entstand die Idee, Öffentlichkeitsarbeit mehr als bisher für Restauratorinnen und Restauratoren an Museen zu nutzen und damit unseren Beruf in diesem Feld zu professionalisieren. Diesen „neuen“ und „anderen“ Blick auf die Restaurierung und Vermittlung habe ich erst durch das Studium erlangt und in einer Promotion anschließend vertieft. Dass das Thema aktuell wie nie ist, zeigen zahlreiche Beispiele zu dem Thema wie Sonder- und Dauerausstellungen in Museen, Angebote wie Führungen und Vorträge durch Restauratorinnen und Restauratoren und nicht zuletzt die Etablierung des Europäischen Tags der Restaurierung, der nun jährlich am zweiten Sonntag im Oktober mit interessanten Angeboten der breiten Öffentlichkeit restauratorische Inhalte vermittelt.
Stichwort Arbeiten 4.0: Worauf kommt es heute im Berufsleben junger Restauratoren an? Welche Rolle spielen neue Arbeitsformen, welche die Digitalisierung, und welchen Rat würden Sie geben?
Es kommt als Restaurator nicht nur darauf an, sein Handwerkszeug praktisch und theoretisch zu beherrschen, wissenschaftlich zu arbeiten und sensibel mit den Objekten umzugehen, sondern dies Interessierten zu vermitteln. Das können Besucherinnen, Kollegen, Kundinnen, aber vermehrt auch Politikerinnen und Sponsoren sein. Der Beruf hat sich demnach von der Restauratorin im stillen Kämmerlein hin zur Person in der Öffentlichkeit gewandelt. Auch wenn dadurch weniger Zeit zum Restaurieren bleibt, rate ich, dies als Chance zu sehen, geht es doch um unser aller kulturelles Erbe.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Lieber Herr Eckert, was fasziniert Sie an Ihrer Tätigkeit im Musikbetrieb? Welche besonderen Herausforderungen gibt es?
Mit meinem Job konnte ich meine Leidenschaft zur Musik und zu Konzerten zum Beruf machen und bin gleichzeitig in einem der aufregendsten, sich rasant verändernden Bereiche der Musikbranche gelandet – dem kommerziellen Konzertbetrieb. Es ist immer wieder faszinierend, diese Leidenschaft mit so vielen Kolleginnen und Kollegen zu teilen. Eine große Herausforderung war es, mich ohne tiefergehende Kenntnisse in der Branche zurecht zu finden und in meinem Betrieb frische Akzente zu setzen.
Worin unterscheidet sich Ihre Managertätigkeit im populären Musikbereich von jener im klassischen Musikbetrieb?
Ohne Erfahrungen im klassischen Musikbetrieb aufzuweisen, denke ich, dass man im populären Konzertbetrieb breiter aufgestellt sein muss. Bei uns unterscheidet sich fast jedes Konzert vom anderen, was das Publikum, die Produktion als auch das künstlerische Produkt angeht. Vom kleinen Clubkonzert einer türkischen Darkwave-Band vor 30 Personen bis hin zum Open Air-Konzert eines internationalen Megastars in einem ausverkauften Fußballstadion decken wir ein sehr breites Spektrum ab. Unser Anspruch ist es, für jedes gesellschaftliche Milieu ein passendes Konzert zu veranstalten. Kulturpolitisch gesehen ist die Subventionierung der meisten klassischen Konzertveranstaltungen ein grundlegender Unterschied zu unserer popkulturellen kommerziellen Branche.
Inwiefern hat Sie das Ludwigsburger Studium auf Ihre Tätigkeit im Musikbereich vorbereitet?
Meine Tätigkeitsfelder in unserem Betrieb sind vielfältig. Vom Booking, also der künstlerischen Programmgestaltung, dem übergeordneten Projektmanagement der gebuchten Konzerte bis hin zur kalkulatorischen Planung oder dem Onlinemarketing im Speziellen muss ich generalistisch aufgestellt sein. Dementsprechend kann ich verschiedenste Inhalte, auf die mich mein Studium in Ludwigsburg vorbereitet hat, praktisch anwenden. Für die Zukunft würde es mich freuen, wenn der kommerzielle populäre Konzertbetrieb sich stärker im Lehrplan des Instituts wieder finden würde.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Lieber Herr Heideker, Sie waren lange als Künstler tätig, bevor Sie ins Fach des freien Kulturmanagers wechselten und eine Agentur gründeten. Es sind derzeit keine leichten Zeiten für selbstständige Kulturmanager. Wie geht es Ihnen?
Es geht mir gut – gesundheitlich wie beruflich.
Bei letzterem kommt es sehr darauf an, wie man mit Herausforderungen umgeht. Natürlich hat die Pandemie dazu geführt, dass ich neue Schwerpunkte in meinem Portfolio gesetzt habe. Vor Corona war ich fast ausschließlich im Live-Event-Bereich (Klassik) tätig, insbesondere Projektentwicklung, -leitung und -finanzierung, Personalleitung sowie Marketing und Pressearbeit. Und natürlich als Künstler und Veranstalter. Durch Corona entstand ein sehr großer Bedarf nach Online-Inhalten. Wo ich vorher nur als Fotograf tätig war, habe ich die Bild-, Ton- und Videoproduktion ausgebaut. Dabei bin ich auch Risiken eingegangen. Gleichzeitig habe ich die durch Absagen frei gewordene Zeit für Bildung genutzt. Meine Lernkurve im letzten Jahr war steil. Da ist die Krise ein echter persönlicher Gewinn für mich gewesen. Auch die finanziellen Hilfen von Bund und Land kamen bei mir problemlos an. Und obwohl ich die durch Corona verursachten Ausfälle nicht ganz kompensieren konnte, haben sich wertvolle neue Möglichkeiten und Kontakte erschlossen.
Sehen Sie, neben all den Risiken, auch Chancen? Was sind Ihrer Einschätzung nach Qualitäten und Eigenschaften, die eine Kulturmanagerin derzeit über Wasser halten?
Ganz klar die Vielseitigkeit. Als Manager habe ich mich schon immer als Generalist verstanden. Das kommt mir jetzt zugute, da ich Dienstleistungen auf vielen Ebenen anbieten kann. So wurde ich gebeten, den Wahlkampf eines Bundestagskandidaten zu managen, Video-Masterclasses zu produzieren oder die Produkte einer Ölmühle für deren Online-Shop zu fotografieren. Gleichzeitig werde ich aber auch als Künstler gebucht oder berate Unternehmen aus dem (kunstfernen) produzierenden Gewerbe in Sachen Personalführung. Die Anpassung des eigenen Angebots an die Erfordernisse des Marktes, das Suchen nach und das Umsetzen von neuen Lösungen sind für mich vergleichbar mit der Lösung von Problemen bei der Leitung eines internationalen Opernfestivals – also Managementaufgaben. Und als ein Freund mich fragte, ob ich ihm im Weihnachtsgeschäft im Versand helfen kann, da habe ich sofort zugesagt – Konzerte waren schließlich alle abgesagt. Chancen gibt es also immer!
Sie haben am Institut für Kulturmanagement das Kontaktstudium besucht. Hat das Studium Ihren Blick für Ihre jetzigen Tätigkeiten geschärft, vielleicht auch geprägt?
Absolut. Durch das Kontaktstudium wollte ich ursprünglich „nur“ finanzielle Verluste bei der Gründung einer Konzertreihe vermeiden. Ich wollte als Künstler ohne manageriales Vorwissen nicht blauäugig in die Projektplanung gehen. Im Ergebnis hat sich mir ein ganzes Berufsfeld erschlossen. Dadurch habe ich nicht nur in Pandemiezeiten mehrere Standbeine. Und der Künstler in mir weiß: Man muss immer flexibel sein.
Die Fragen stellte Dr. Christiane Dätsch.
Hier finden Sie eine Auswahl an Selbstportraits einiger Absolventinnen und Absolventen des Master- und Magisterstudiengangs 2003-2018.
Wie man dazu kommt, nach dem Studium des Kulturmanagements als Ministerialbeamtin zu arbeiten? Das ist sicher eine gute Frage, dennoch stehen zwei Sachen fest: Es tut nicht weh und es ist ein absolut spannender und abwechslungsreicher Job.
Aber ganz von vorne. Bereits während meines Erststudiums zur Diplom-Verwaltungswirtin (FH) stand fest, dass ich gerne im Bereich der Kultur arbeiten möchte. Deshalb habe ich mich während der praktischen Ausbildung und des Fachhochschul-Studiums besonders stark auf diesen Bereich konzentriert, indem ich selbst steuerbare Zeiten im Kulturamt verbracht und während der Semesterferien Praktika absolviert habe, beispielsweise im Forum am Schlosspark in Ludwigsburg oder bei den Herbstlichen Musiktagen in Bad Urach. Ein Zusatzseminar wurde damals im Bereich Kulturmanagement in Kooperation mit dem Institut angeboten, was ich selbstverständlich ebenfalls belegt hatte. So war es zum Aufbaustudium nicht mehr weit und mein Erststudium erwies sich als ideale Ausgangsposition.
Dass die berufliche Laufbahn direkt in einer obersten Landesbehörde beginnen sollte, war eine Überraschung, die ich so nie vorausgesehen hätte. Bereut habe ich es bis heute nicht. Anfang 2000 begann ich in der Kunstabteilung des Wissenschaftsministeriums mit der umfangreichen Zuständigkeit für die Kunstsammlungen des Landes, für alle großen Stipendienprogramme insbesondere Bildender Künstlerinnen und Künstler und für Kunstvereine sowie andere Zuschussempfangende. Zwischenzeitlich wechselte ich innerhalb der "Kunst" zum Referat für Internationale Kunstbeziehungen des Landes, was heute noch mein Schwerpunkt (neben dem Archivwesen, der Soziokultur und dem Kulturschutz) darstellt. Die Ausweitung der internationalen Kontakte, nicht zuletzt durch die Erweiterung der EU, sorgen dafür, dass der Hauptaufgabenbereich immer abwechslungsreich und mit vielen aufregenden Aufgaben verbunden bleibt.
Die Chancen von Absolventinnen und Absolventen der Musikhochschulen auf dem Arbeitsmarkt haben mich seit meinem Gesangsstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin bewegt. Schließlich habe ich mich dann auch in meiner Magisterarbeit mit der Frage auseinandergesetzt, wie man den Absolventinnen und Absolventen den Start in den Arbeitsmarkt erleichtern kann. Seit November 2008 arbeite ich an der Staatlichen Musikhochschule Stuttgart als Orchestermanagerin des Sinfonieorchesters. Das Hochschulsinfonieorchester steht als größter Klangkörper der Musikhochschule im Zentrum der professionellen Berufsbausbildung. Dem Thema meiner Magisterarbeit „Karrierevorbereitung an Musikhochschulen“ widme ich mich ebenso in einer weiteren Aufgabe: Neben dem Management des Hochschulsinfonieorchesters bin ich unter anderem auch für die Organisation des Dirigentenpodiums Baden-Württemberg zuständig. Hier erhalten fortgeschrittene Studierende der Dirigierklassen in den Musikhochschulen Baden-Württembergs die Möglichkeit, mit drei professionellen Berufsorchestern des Landes zu arbeiten und ihre Fähigkeiten auszubauen.
Wie alles begann: Zunächst hatte ich meine Leidenschaft, das Singen, zum Beruf gemacht. An der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin habe ich Gesang in der Fachrichtung Musiktheater und Konzert studiert. Parallel dazu erfolgte mit großer Leidenschaft die organisatorische Tätigkeit von Konzerten mit Musikstudierenden. Gerne wollte ich meine beruflichen Perspektiven in der Projektarbeit mit Künstlerinnen und Künstlern durch das Aufbaustudium Kulturmanagement erweitern. Während dieser Zeit war ich Werkstudentin bei der Robert Bosch Stiftung und absolvierte außerdem Praktika beim Radio-Sinfonieorchester Stuttgart des SWR und beim Deutschen Musikrat.
Während meines Gesangsstudiums habe ich das Hochschulorchester eher beiläufig wahrgenommen. Seitdem ich nun meine Stelle als Orchestermanagerin des Sinfonieorchesters an der Musikhochschule Stuttgart angetreten habe, weiß ich erst, welch ein Aufwand betrieben werden muss, damit ein reibungsloses Konzert entsteht. Die Aufgaben sind sehr vielfältig und bewegen sich vom oftmals hektischen Tagesgeschäft in den Probenphasen zu einer langfristigen, strategischen Konzertplanung. Hierzu gehören vor allem die Organisation und Durchführung von Konzerten und Konzertreisen, aber auch die Beschaffung von Sponsorengeldern. Das ist auch abschließend, was mich an meinem Arbeitsplatz begeistert: vom Anfang bis zum Schlussapplaus eines Konzertes verantwortlich zu sein. Genau diese Vielfalt, von der Semesterplanung bis hin zum Marketing des Orchesters, gestaltet meinen Beruf aufregend und abwechslungsreich.
Bereits während meiner musikalischen Laufbahn als studierte Flötistin habe ich Gefallen an der organisatorischen Arbeit im Konzertbetrieb gefunden und mich dazu entschieden, die Seite zu wechseln. Nach ersten Management-Erfahrungen in Berufsorchestern hat mich das Masterstudium noch einmal über den musikalischen Tellerrand hinausgeführt und mich in andere Kulturbereiche hinein blicken lassen.
In meiner Masterarbeit habe ich mich mit dem Musikbetrieb beschäftigt und im Bereich des Personalmanagements aktuelle Konflikte sowie die Anwendung von Konfliktmanagement in Berufsorchestern untersucht. Das hat mir Erkenntnisse gebracht, die ich in meinen Berufsalltag mit aufnehmen konnte und auch jetzt noch weiter verfolgen möchte.
Im September 2019 habe ich ein Volontariat beim Gürzenich-Orchester Köln angetreten, dem Hausorchester der Kölner Philharmonie und Oper. Hier disponiere ich den Dienstplan der Orchestermusiker und organisiere bei jeglichem Bedarf und Ausfällen die Aushilfen - bin also in stets engem Kontakt mit den Orchestermusikerinnen. Dazu gehört auch die Projektverantwortung für einige Konzert- und Opernprojekte, die bei der Kommunikation mit den Dirigentinnen und Dirigenten über gewünschte Planung und Instrumentierung anfängt, über Bauproben im Konzert- oder Opernsaal weitergeht und schließlich mit der konkreten Durchführung des Projekts endet. Weiterhin bin ich projektverantwortlich für alle Kammerkonzerte, die in der Philharmonie oder an Außenspielstätten stattfinden – eines der außergewöhnlichsten war beispielsweise ein Konzert mit Harfe, Flöte, DJ sowie Electronic Music im Aquarium des Kölner Zoos vor dem Piranha-Becken!
Kein Tag ist wie der andere: Ich habe einen abwechslungsreichen Arbeitsalltag und interessante Begegnungen, durch die ich immer etwas Neues erlebe und lerne – das ist für mich das Spannende an diesem Job! Durch verschiedene Spielstätten bin ich viel in Bewegung, bin aber auch mal froh, am Schreibtisch ruhigeren Aufgaben nachzugehen. Trubel, Ad-hoc-Entscheidungen und Tage am Schreibtisch liegen also nah beieinander – inklusive „Corona-Total-Absagen“ des gesamten Spielbetriebs. Ab Mai freue ich mich dann sehr auf die Rückkehr in meine alte Wahlheimat und trete eine feste Anstellung im Orchesterbüro des SWR-Symphonieorchesters in Stuttgart an.
Während meines Erststudiums – Neuere Geschichte und Journalismus - stand für mich immer das Ziel, journalistisch arbeiten zu wollen im Vordergrund. Deshalb ergänzte ich das Studium durch einige Praktika, vorwiegend im Bereich der Printmedien. Darüber hinaus war ich als freie Mitarbeiterin für die Stuttgarter Zeitung und die Stuttgarter Nachrichten tätig. Aber immer nur schreiben? Zu einseitig auf die Dauer, fand ich.
Nach einem Studiensemester in Wien, wo ich meinem Interesse für Geschichte und Kultur nachgehen konnte, stand für mich fest, dass ich auch beruflich im Kulturbereich tätig werden wollte. Als eine der frühen Bachelor-Absolventinnen musste ich allerdings feststellen, dass der Studienabschluss nicht ausreichte, um diesen Weg einzuschlagen. Weitere Qualifikationen waren nötig, um im Kulturbereich Fuß fassen zu können.
Zunächst schnupperte ich während eines Praktikums im gerade eröffneten Haus der Geschichte Baden-Württemberg in Stuttgart ausgiebig Museumsluft. Zum Wintersemester 2004/05 nahm ich den Magisteraufbaustudiengang Kulturmanagement auf und arbeitete parallel dazu als Assistentin in der Presse- und Öffentlichkeitsarbeit im Haus der Geschichte weiter. Während meiner Ludwigsburger Studienzeit erlebte ich die Kombination von Studium und praktischer Tätigkeit im Museum als sehr bereichernd. Für mich war es die perfekte Verbindung, auch wenn ich unter chronischem Zeitmangel litt.
Ein Job im Museumsbetrieb war auch nach dem Magisterabschluss mein Ziel: Von März 2007 bis Januar 2020 war ich im Museum Ritter für die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich. Das Museum Ritter ist eine private Institution, die sich der Präsentation und Förderung vorwiegend konkret-konstruktiver Kunst widmet. Die Sammlung von Marli Hoppe-Ritter, Museumsgründerin und Mitinhaberin der Firma Ritter Sport, umfasst knapp 700 Zeichnungen, Gemälde und Skulpturen, die sich alle mit dem Thema des Quadrats auseinandersetzen.
Seit Februar 2020 arbeite ich nun als Referentin für Presse- und Öffentichkeitsarbeit bei der Architektenkammer Baden-Württemberg und habe auch an dieser neuen Tätigkeit große Freude. Der Zeitmangel ist seit dem Studium zwar nie weniger geworden, doch ist es für mich auch nach über 13 Berufsjahren nach wie vor eine spannende Herausforderung, die Inhalte meiner kulturellen Arbeitgeber einer interessierten Öffentlichkeit nahe zu bringen. Darauf möchte ich nicht verzichten!
Im Herbst 1987 begann ich an der Berufsakademie in Karlsruhe zu studieren. Als praktischen Ausbildungsbetrieb fand ich den Ernst Klett Schulbuchverlag in Stuttgart. Nach dem Studienabschluss zur Dipl.-Betriebswirtin (BA) entschied ich mich für eine Weiterbildung zur Kindertanzpädagogin in den Bereichen Klassisches Ballett und Folklore an der Ballettfachschule Ronecker in Fellbach. Während dieser Zeit begann ich, regelmäßig in verschiedenen Ballettschulen zu unterrichten. Diese „Nebentätigkeit“ setzte ich auch fort, als ich im April 1992 hauptberuflich wieder in das Verlagswesen zurückkehrte. Ich arbeitete – zuletzt als Verkaufsleiterin – in zwei verschiedenen Zeitschriftenverlagen im Anzeigenmarketing. Nach über acht Jahren musste ich feststellen, dass mich die Tätigkeit im Anzeigengeschäft nicht mehr befriedigte. Hinzu kam der Gedanke, mit Anfang 30 noch nicht ausgelernt zu haben und der Wunsch, noch einmal etwas Neues zu lernen, um eventuell auch eine ganz andere Richtung einschlagen zu können.
Da ich in meiner Freizeit nicht nur auf der Bühne eines Freilichttheaters im Amateurbereich mitwirken durfte, sondern mich auch zunehmend hinter den Kulissen (z.B. im Bereich Werbung) eingesetzt hatte, führte mich die Suche nach einem für mich geeigneten Studienfach zum Institut für Kulturmanagement. Im Herbst 2000 wurde ich für das viersemestrige Aufbaustudium an der PH Ludwigsburg zugelassen. Während des Studiums arbeitete ich als wissenschaftliche Hilfskraft für das Kontaktstudium am Institut für Kulturmanagement. Ich absolvierte ein Praktikum in der Veranstaltungs- und Kongresshalle FILharmonie in Filderstadt, bei dem Orchester „Junge Philharmonie Esslingen“ sowie in der Administration des Tanztheater Nürnberg (Staatstheater Nürnberg). Weiterhin konnte ich während eines mehrwöchigen Aufenthaltes in Montréal innerhalb verschiedener Kurzpraktika (u.a. beim „Les Grands Ballets Canadiens“) Einblicke in die dortige Tanzszene gewinnen. In meiner Magisterarbeit beschäftigte ich mich ebenfalls mit dem Thema Tanz: „Organisations- und Praxisformen der Sparte Tanz – ein Vergleich anhand ausgewählter Beispiele.“
Gemäß den ersten und mit den am wichtigsten Leitsätzen, die uns während unseres Studiums gelehrt wurden („Netzwerke bilden und Kontakte pflegen!“), hielt ich nach meinem Praktikum ständig den Kontakt zum Tanztheater Nürnberg – wohl wissend, dass dort eine weitere Mitarbeiterin für das Ballettbüro gesucht wurde. Ich bewarb mich und bekam Mitte August 2002 die Zusage. Vier Wochen später begann ich, für das Tanztheater Nürnberg zu arbeiten. Als Assistentin der Direktorin des Tanztheater Nürnberg, Daniela Kurz, lagen meine Hauptaufgaben - neben den „üblichen“ Aufgaben einer Assistentin (Post, Termine, Organisation im weitesten Sinne) – in der Werbung und Öffentlichkeitsarbeit für das Tanztheater, der Pflege der bereits bestehenden sowie Akquise potentieller Sponsorinnen und Sponsoren sowie der Akquise und Organisation von Gastspielen.
Nach vier Jahren wechselte ich an das Saarländische Staatstheater in Saarbrücken, um ebenfalls für die Sparte Tanz – in diesem Fall für die Ballettdirektorin Marguerite Donlon – zu arbeiten. Mein Aufgabenbereich änderte sich dahingehend, dass ich als Company Manager und Referentin der Ballettdirektorin nun hauptsächlich neben dem Gastspiel-Bereich für den Produktionsablauf verantwortlich war. Sämtliche Verhandlungen mit allen Gästen sowie die Budgetverantwortung für das Ballett in Absprache mit dem Kaufmännischen Direktor gehörten zu meinen neuen Herausforderungen.
Während meiner zweiten Spielzeit am Saarländischen Staatstheater bekam ich das Angebot, die Geschäftsführung und Administrative Leitung des Stuttgarter Balletts zu übernehmen. Als ehemalige Stuttgarterin (hier geboren und aufgewachsen) nutzte ich gerne diese Chance mit Beginn der Spielzeit 2008/2009 (September 2008) nach Stuttgart zurück zu kehren.
Mein Weg war lang, bis er mich endlich in die Theaterwelt und in meine „Lieblingssparte“ geführt hat, aber es hat sich gelohnt: Der Job macht mir Spaß – und das ist für mich die Hauptsache! Da vergisst man auch mal, dass man wöchentlich ca. 50-60 Stunden arbeitet (Vorstellungen nicht eingerechnet).
Ich erinnere mich an meinen Traum aus Teenager-Tagen, bei den großen Musikfestivals in Deutschland mitzumischen, Veranstaltungen mit über 50.000 Besucherinnen und Besuchern mit zu planen und zu koordinieren, große Live-Acts auf die Bühne zu bringen, kurz: im „Big-Business“ dabei zu sein. Nach meinem Masterababschluss in Ludwigsburg bewarb ich mich bei einer der großen Agenturen, die mehrere große Festivals in Deutschland veranstalten. Ich bekam eine Zusage. Und lehnte ab.
Retrospektiv betrachtet fügen sich meine vergangenen Jahre eigentlich ganz harmonisch ineinander. Meine Ausbildungen, Projekte, Partner, Kollegen, Erfahrungen und Überzeugungen. Während dieser Jahre war mir das oftmals gar nicht so klar. Welch wunderbare Unwissenheit der Jugend (wie überheblich – ich bin 26). In meiner Jugend begann ich damit, Veranstaltungen zu organisieren. Zu Beginn war dies vielleicht eher Mittel zum Zweck, da ich in einer Band spielte, der sich sonst nur selten Auftrittsmöglichkeiten geboten hätten. In den folgenden Jahren entwickelte ich jedoch ein Verständnis dafür, welche unglaublichen Möglichkeiten in der Kreation von Veranstaltungen liegen und wie selten sie genutzt werden. Zugleich festigte sich meine Überzeugung, dass man als Veranstaltender eine enorme Verantwortung trägt – nicht nur für die üblichen sicherheitstechnischen Aspekte, sondern insbesondere auch dafür, welchen Themen, welchen Überzeugungen und welchen Künstlerinnen und Künstlern man eine Plattform bietet. Ich entwickelte den Anspruch, eine Veranstaltung als Gesamtkunstwerk zu verstehen und auch so zu planen, sie also ganzheitlich zu sehen und zu formen, stets mit dem Bemühen, dieser Verantwortung gerecht zu werden. Hier entdeckte ich, was mich antreibt: meine Leidenschaft.
Die Entscheidung, das Angebot für die „große Bühne“ abzulehnen, resultierte schlussendlich aus der Erkenntnis, dass ich mit meiner bisherigen selbstständigen Arbeit genau das tat, was mich erfüllte, und dass ich nicht bereit war, irgendetwas davon aufzugeben. Nämlich: Für meine eigenen Projekte zu arbeiten, dem eigenen Anspruch zu folgen und das in einem Team aus Menschen, die mir nahestehen.
Konkret bedeutet das bei mir, dass ich gemeinsam mit meinem Bruder in unserer Firma KombinatBlau Veranstaltungstechnik GbR arbeite. Mein Tätigkeitsbereich umfasst hier überwiegend die Licht- und Videotechnik, die Akquise, die Verhandlung und Koordination. In einer weiteren Firma (formatF GbR) betreibe ich gemeinsam mit meinem Bruder sowie drei weiteren Freundinnen und Freunden eine Agentur für Veranstaltungen, außerdem den Gastronomie- und Kulturbetrieb Landwehr-Bräu am Turm in Rothenburg ob der Tauber.
Parallel zu diesen Tätigkeiten, mit denen ich mein Einkommen generiere, bin ich seit acht Jahren Erster Vorstand des Kollektivs Grenzkunst e. V., einem Verbund aus Künstlerinnen und Künstlern sowie Freigeistern. Wir veranstalten Konzerte und Festivals, wie etwa das Eulenflug Openair, das Sundowner Festival, die KunsTraum Tage oder das RaumZeit Konzert. Für mich fügt sich diese autonome und oftmals den wirtschaftlichen Zwängen nahezu komplett entkoppelte Kulturarbeit wunderbar als Gegenpol in mein berufliches Schaffen ein.
Mein Einstieg in das Berufsleben war, kann ich im Nachhinein sagen, wohl etwas unkoordiniert und auch nicht ganz stringent. Nach dem Aufbaustudium Kulturmanagement (MA) an der PH Ludwigsburg, hat sich jedoch ein Berufsfeld eröffnet, in dem sich alle bisherigen Erfahrungen wunderbar zusammengefügt haben.
Im Einzelnen: Frisch von der Schule begann ich in München eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Erfolgreich abgeschlossen, studierte ich anschließend in Bamberg Diplom-Sozialpädagogik. In diesem Bereich arbeitete ich von 1995 – 1999 als Diözesanreferent und Geschäftsführer der katholischen Jugendverbände im Bistum Eichstätt. Nach einem ausgedehnten Mexikourlaub, entschloss ich mich im Frühjahr 1999, noch einmal zu studieren. Wesentlicher Schwerpunkt des zweijährigen Aufbaustudiums in Ludwigsburg war der Bereich Literaturvermittlung. Hierzu zählte unter anderem ein Praktikum im Literaturhaus München. und die Mitarbeit am „deutsch-jüdischen Literaturforum und internationalem Symposium – 100 Jahre Rose Ausländer“ an der PH Ludwigsburg. Auch meine Magisterarbeit zum Thema „Literaturmuseen – Von der Gedenkstätte zum Edutainment-Center“ befasste sich mit der Situation literaturvermittelnder Einrichtungen im Spannungsfeld zunehmender ökonomischer und gesellschaftlicher Veränderungen.
Während der Studienzeit, arbeitet ich als wissenschaftlicher Assistent am Fraunhofer Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO) in Stuttgart. Hier war ich unter anderem mitverantwortlich für die Planung, Organisation, Durchführung und Nachbereitung von Workshops und Seminaren, die sich grob gesagt mit „Neuen Arbeits- und Organisationsmodellen“ befassten.
Kurz und knapp: Nach den Magisterprüfungen wurde mir im Literaturhaus Stuttgart eine Stelle angeboten, die über Mittel der Bosch und Breuninger Stiftung finanziert wird. Das ursprünglich definierte Arbeitsgebiet hat sich nach 6 Monaten erheblich ausgeweitet. Neben der Koordination der Projekte „Schreibwerkstätten für Jugendliche“ und „Leseförderung für Kinder“ bin ich zuständig für alle kaufmännischen Angelegenheiten. Zusammengefasst, meine Ansprechpartner sind Jugendliche, Kinder, Bankkaufleute, Steuerberaterinnen, Sponsoren und natürlich auch Autorinnen und Übersetzer.
Wer mehr erfahren will, einfach melden oder vorbeikommen!
Kulturmanagement kann ein Indikator dafür sein, dass auf dem eigenen Weg noch etwas fehlt, dass einige Lücken noch gefüllt werden wollen, dass wichtige Kontakte geknüpft werden sollen. Bis zu dieser Entscheidung führte der eigene Weg über das Studium der Musikwissenschaften und Europäischen Ethnologie an der Universität Wien. Es ging damals um den hehren Wunsch und Anspruch, in den Geistes- und Sozialwissenschaften tätig zu werden. Parallel dazu erfolgte mit großer Leidenschaft die organisatorische Tätigkeit für Seminare und Festivals, vor allen im musikalischen Sektor. Diese Mischung führte nach dem Studium zu einem beruflichen Engagement in einem Kulturbetrieb mit vielfältigen Aufgaben: Konzeptionelle Arbeit auf europäischer Ebene, Organisation von Festivals, redaktionelle Tätigkeit für Publikationen. Private Gründe schließlich verschlugen mich nach Stuttgart, großes Interesse und der Fortbildungsdrang nach Ludwigsburg.
Kulturmanagement bringt Menschen zusammen. Dieser Satz soll nicht als Anflug sozialer Bedürfnisse verstanden werden und auch noch nicht auf die beruflichen Verbindungen abzielen, sondern vielmehr zum Ausdruck bringen, dass in so einem Studienjahrgang ein „bunter Haufen“ an wissbegierigen Persönlichkeiten zusammentrifft, wo Freundschaften entstehen können, gemeinsam wunderbare Ideen geboren werden und auch gewisse Reibungsflächen vorhanden sind. Dazu kommt das „KulturNetz“, der Alumni-Verein des Instituts für Kulturmanagement, der dieses Geflecht verdichtet, weitere Kontakte entstehen lässt und aufzeigt, wie vielfältig und breit verstreut die Ludwigsburger Kulturmanagerinnen und Kulturmanager sind. Meine Wahl zum 1. Vorsitzenden des Vereins 2004 sehe ich als verantwortungsvolle Aufgabe, an diesem Netzwerk aktiv mitzugestalten.
Kulturmanagement ebnet den Weg für ein interessantes Berufsleben. Und dieser Weg führte mich nunmehr in zwei Stuttgarter Kulturinstitutionen, wo der künstlerische Qualitätsanspruch sehr hoch gehalten wird. Der Württembergische Kammerchor bereichert neben Gastspielen im Ausland und bei namhaften Festivals das Musikleben der Region; das Renitenztheater, als renommierte Kabarettbühne mit großer Tradition, die Stuttgarter Kleinkunstszene. Auf der einen Seite geht es um die Organisation von Konzerten, von Proben, um Öffentlichkeitsarbeit, um die Verwaltung eines kleinen, jedoch feinen Kulturbetriebes. Das Repertoire des Chores reicht von Scarlattis „Marienvesper“ bis hin zu Crossovers wie „Poulenc meets Jazz“.
Auf der anderen Seite steht ein Theaterbüro, dessen Aufgabenbereich nicht vielfältiger sein könnte. Das Programm der Bühne umfasst neben den laufenden Gastspielen der politisch-satirischen Kabarettszene auch ein ChanSongFest, eine Deutsch-Türkische Kabarettwoche, das Kabarettfestival mit dem Nachwuchswettbewerb „Stuttgarter Besen“, ein satirisches Theaterstück mit dem hauseigenen Ensemble, eine Kabarettwerkstatt mit Schülerinnen und Schülern sowie den literarischen Bereich „autorenarena“, eingebettet in das Projekt „grenzenlos – politisch-satirisches Theater in Europa“. An all diesen Prozessen teilhaben, konzeptionell und organisatorisch mitgestalten zu dürfen, stellt für mich persönlich eine große Bereicherung und beruflich eine wichtige Erweiterung dahingehend dar, dass Arbeit neben den materiellen Notwendigkeiten vor allem auch Freude bereiten soll.
In diesem Sinne wünsche ich allen weiteren angehenden Kulturmanagerinnen und Kulturmanagern eine ähnliche weit reichende Zufriedenheit in ihrer beruflichen Laufbahn.
„Und was, wenn du keine Kunden bekommst? Was, wenn du mal länger krank wirst? Hast du noch Freizeit – es heißt ja ‚selbst‘ und ‚ständig‘?!“ – Ich kann nicht leugnen, dass ich mir diese Fragen lange Zeit durch den Kopf habe gehen lassen. Den Traum von der Selbstständigkeit hatte ich sicher nicht gleich nach meinem Kulturmanagement-Master im Jahr 2014. Mit dem Fokus auf Marketing und Musik arbeitete ich zunächst an einer privaten Hochschule, bevor ich im Jahr 2019 zum Stadtmarketing Mannheim wechselte, wo ich als Marketing-Managerin die Projektleitung der neu ins Leben gerufenen Mannheim Music Week übernahm. Planen, Konzipieren, Programmkuratieren, Gespräche mit Akteurinnen und Akteuren, Sponsorinnen und Sponsoren in einem sicheren, unbefristeten Arbeitsverhältnis führen – wieso sollte ich daran etwas ändern wollen?
Ich erinnere mich noch gut an mein Gespräch mit einer freiberuflichen Mitarbeiterin im Stadtmarketing, die mir von ihren vielen unterschiedlichen Projekten erzählte und davon, wieviel Spaß ihr diese Arbeit machte. Immer öfter stellte ich mir die Frage, ob Selbstständigkeit auch ein Arbeitsmodell für mich sein könnte. Es folgten intensive Gespräche mit Freunden und der Familie und eine Gründerinnen-Beratung, bei der mir eine Frage gestellt wurde: „Was, wenn Sie keine Angst haben müssten?“ Meine Antwort: „Ja dann wär’s ja einfach!“
Diese Antwort öffnete mir die Augen: Mut und Motivation wuchsen, der Businessplan verfeinerte sich. Noch in der Hochzeit der Coronapandemie kündigte ich meine Festanstellung und startete zum 1. Februar 2021 meine Selbstständigkeit als „Eva Mayer Consulting: Projektmanagement I Marketing I PR“.
Meine Kunden kommen aus unterschiedlichen Branchen: Interior Design, Film, Mode, Bildungswesen, Musik. Ich arbeite für Marketingabteilungen, Museen, Startups und Städte, plane Weihnachtsmärkte und Firmenveranstaltungen, schreibe Pressemitteilungen, erstelle Social-Media-Konzepte. So kommt es vor, dass ich an manchen Tagen für vier unterschiedliche Kunden arbeite, was schnelles Umdenken und Flexibilität erfordert. Sich diesen Umständen anzupassen und individuellen Anforderungen gerecht zu werden, ist der Reiz und mein Antrieb in der Selbstständigkeit. Was ich bis jetzt sicher sagen kann: „Selbst“ und „ständig“ muss nicht sein! Man hat in der Hand, wie viel, wann und mit wem man arbeiten möchte. Eine strukturierte Wochen- und Tagesplanung sowie Selbstdisziplin sind dabei wichtige Eigenschaften – ebenso wie agiles Arbeiten.
Kunst und Kultur haben für mich schon immer eine wichtige Rolle gespielt – als bevorzugte Schulfächer, in meinen Nebenjobs, aber allem voran als Gegenstand persönlichen Vergnügens! Sobald ich feststellte, dass ich in keiner der Kunstdisziplinen ausreichend Ambitionen besaß, um darin meine Berufung oder gar meinen Beruf zu sehen, war schnell klar: Kulturmanagement, das könnte es sein.
Mein Bachelorstudium absolvierte ich am ISW in Freiburg und stellte schnell fest, dass neben der schönen Stadt und dem Netzwerk aus tollen Kommilitoninnen auch der Studiengang passte – ein Glück, das nicht jedem Studienanfänger in „Exotenfächern“ vergönnt ist.
Das Praxissemester, das dort verpflichtend ist, verbrachte ich in Frankfurt am Main bei den Kulturkooperationen der Deutschen Bahn. Dieser Ausflug in andere Strukturen half mir mit Sicherheit dabei, Kooperationspartner aus Wirtschaft und Tourismus besser zu verstehen. Nach dem Abschluss 2011 absolvierte ich am Historischen Museum in Speyer ein Praktikum im Bereich Medien- und Öffentlichkeitsarbeit und blieb gleich da, um ab 2012 ein zweijähriges Museums-Volontariat anzuschließen. Dort lernte ich das Handwerkszeug, das es für den Kommunikationsalltag im Kulturbetrieb braucht. Ob Marketing-Kampagnen zu Sonderausstellungen, Guerilla-Aktionen, Pressearbeit und Social Media, in allen Bereichen konnte ich mich in einem starken Team und mit viel Eigenverantwortung austoben.
Was jedoch noch fehlte, war ein Masterabschluss. Also zog es mich nach Ludwigsburg, wo ich ab 2014 ins „Klassenzimmer“ zurückkehrte und zwei Jahre lang noch einmal viel dazulernte, meinen Schwerpunkt „Marketing / Kooperationsmanagement“ vertiefte und nicht zuletzt wichtige und wertvolle Kontakte knüpfte, auch unter den Mitstudierenden.
Nach einem kurzen Ausflug ins Brettspiel-Business bin ich seit März 2017 für die Bereiche Marketing und Öffentlichkeitsarbeit am Museum für Franken in Würzburg verantwortlich. Diese Stelle wurde im Zuge der Verstaatlichung des Hauses neu geschaffen. Jetzt gilt es bei einem schon recht großen Haus das Marketing so auf- und die Öffentlichkeitsarbeit so auszubauen, dass es den Anforderungen eines „Landes“-Museums gerecht wird. Eine große Herausforderung, die ungemein viel Freude bereitet. Darüber hinaus bietet diese Stelle die Möglichkeit, an der Neukonzeptionierung des Museums mitzuarbeiten. Und wie es schon das Projekt „Neues Stadtmuseum Karlsruhe“ im Masterstudiengang in Ludwigsburg gezeigt hatte: Wer würde sich nicht gern ein Museum erträumen?
Viele Eigenheiten meiner neuen Wahlheimat Luxemburg spielen eine große Rolle in meinem beruflichen Alltag. So erfolgt beispielsweise Pressearbeit immer zweisprachig – und trotz der europäischen Wirtschaftskrise sitzt das Geld im so genannten Steuerparadies Luxemburg noch etwas lockerer, was sich in einem reichlichen Kulturangebot mit vielen internationalen Spitzenproduktionen äußert. Bis vor einem halben Jahr war mir das Großherzogtum, das an Deutschland, Frankreich und Belgien angrenzt, noch völlig fremd. Seit Anfang 2013 arbeite ich jedoch mitten in diesem Land, als Direktionsassistentin im europäischen Kulturzentrum Institut Pierre Werner.
Das Institut mit dem Namen eines luxemburgischen Premierministers steht unter der Trägerschaft des Goethe-Instituts, des französischen Außenministeriums und des luxemburgischen Kulturministeriums. Diese Träger stellen je drei Repräsentanten des Instituts, denen ich tatkräftig bei der Planung und Realisierung von Projekten, hauptsächlich Lesungen und Konferenzen, assistiere. Darunter subsumieren sich Kommunikations- und Pressearbeit, Budgetplanung und Abrechnungen, Personalaufgaben bis hin zu Veranstaltungsorganisation, kurz: die ganze Palette des Kulturmanagementstudiums.
Zu diesem Job geführt hat mich mein auf den ersten Blick nicht ganz geradliniger Weg über ein deutsch-französisches Doppeldiplom in BWL, einen französischen Master im Fach Internationale Beziehungen sowie den Ludwigsburger Vollzeit-Master Kulturwissenschaft und Kulturmanagement. Zu guter Letzt haben meine Arbeit am Institut Français in Stuttgart sowie meine mehrjährige Erfahrung als Buchhalterin im väterlichen Betrieb positiv dazu beigetragen.
In einem Auswahlverfahren konnte ich mich gegen 200 internationale Bewerberinnen und Bewerber durchsetzen. Meine Masterarbeit über Europäische Kulturhauptstädte – Luxemburg war 2007 zum zweiten Mal Europäische Kulturhauptstadt – kam mir dabei ebenfalls zu gute. Dass ich all meine Studien- und Berufserfahrungen nun im Job einsetzen kann, dazu noch in einem internationalen Umfeld, ist für mich ein sehr erfüllendes Gefühl.
13 Jahre und einen Monat lang habe ich als Geiger im Sinfonieorchester Basel gespielt. Am 01. April 2003 stürzte ich mich dann in das bis dahin wohl größte Abenteuer meines Lebens und habe meine neue Position als Kulturbeauftragter, ab 01. April 2007 als Leiter des Amtes Kultur, Tourismus und Marketing der Großen Kreisstadt Donaueschingen angetreten.
Der Wendepunkt in meiner beruflichen Laufbahn war wohl schon 1999, als ich mich – verunsichert durch ein Problem der Feinmotorik meiner linken Hand, von dem ich annahm, dass es irgendwann einmal meine Karriere als Musiker gefährden könnte –zu verschiedenen Seminaren im Kontaktstudium Kulturmanagement des Wintersemesters 1999/2000 anmeldete. Bereits das erste Seminar geriet zur Initialzündung: „Strategisches Kulturmanagement“ mit Prof. Dr. Werner Heinrichs. Hier wurden alle Probleme aufgezeigt und diskutiert, die mich im strukturellen Bereich meines Orchesters und im kulturpolitischen Umfeld immer wieder beunruhigt hatten. Der Lernerfolg war für mich, zu erkennen, dass mit genügendem Sachverstand und einigen Managementkenntnissen in der Kultur Berge versetzt werden können. Nach dem Besuch einiger weiterer Seminare im Kontaktstudium – viele ebenso spannend, sehr wenige für mich weniger interessant – war mein Wunsch gereift, Gesundheit hin oder her, den Sprung in berufliches Neuland zu wagen.
Also meldete ich mich, nachdem klar war, dass es den neuen Masterstudiengang geben würde, umgehend zur Zulassung an. Im April 2001 begann ich mit 16 Kommilitoninnen und Kommilitonen den berufsbegleitenden Studiengang, der inhaltlich einige Ähnlichkeit mit dem Kontaktstudium aufzuweisen hatte, aber durch die dauernd zu erbringenden studienbegleitenden Prüfungsleistungen eine ungeheure Energie in der Mitarbeit erforderte. Wiederum gab es eine Fülle spannendster Lehrveranstaltungen, zwei wunderbare Kompaktwochen und sehr selten ein bisschen Schulatmosphäre.
Zweifellos ist die Ausbildung zum Kulturmanager eine spartenübergreifende Ausbildung, in welcher bisweilen manche Bereiche nicht in einer spezialistenartigen Tiefe behandelt werden. Innerhalb von zwei Jahren aber einen Überblick über die Bereiche Kulturwissenschaften, BWL, Managementlehre, rechtliche Rahmenbedingungen und Kommunale Verwaltung zu erhalten, ist ein facettenreiches Spektrum neuer Wissensbereiche, das sich schlussendlich zu einer vollkommen neuen Gesamtkompetenz zusammenfügt. Und genau hiervon profitierte ich ziemlich genau 10 Jahre lang in meinem Büro in Donaueschingen: Von vielem etwas zu verstehen, dies ist die tatsächliche und alltägliche Anforderung an den Leiter des Kulturamts. Und hierzu gehört auch das Bewusstsein der eigenen Grenzen, also dann den Spezialisten hinzuzuziehen, wenn die eigene Kompetenz endet.
In wenigen Tagen werde ich diesen Arbeitsplatz in Donaueschingen wieder verlassen, um eine neue Aufgabe zu übernehmen: Am 23. September 2013 werde ich mein Amt als Bürgermeister der Stadt Markdorf antreten und also ein neues, wiederum sehr spannendes Abenteuer meiner abwechslungsreichen beruflichen Laufbahn beginnen.
„Bibliotheken sind Büfetts des Geistes“ hatte ich 1993 in den „Fliegenden Blättern“ gelesen und mich kurz darauf entschlossen, Bibliothekswesen zu studieren. Während des Studiums arbeitete ich in der international ausgerichteten Bibliothek am Zentrum für Infrastrukturplanung an der Universität Stuttgart.
Nach Abschluss des Studiums im Jahr 1995 bekam ich ein Angebot der Stadtbibliothek Reutlingen, die Leitung der Abteilung „Veranstaltungen und Ausstellungen, Öffentlichkeitsarbeit und Werbung“ zu übernehmen. Die Bibliothek ist weithin bekannt für ihren kulturellen Schwerpunkt und belegte im Bibliotheksranking BIX der vergangenen Jahre Spitzenplätze. Von 1996 bis zum Ende des Jahres 2000 organisierte ich dort jährlich rund 100 Abendveranstaltungen, vor allem im Bereich Lesungen, und 30 Ausstellungen in den Bereichen Buchkunst, Buchillustration und Medienkunst. Dazu kamen Großprojekte wie die Mitternachtsbibliotheken, die Koordination des Gesamtprogramms der Bibliothek und eigentlich alle Herausforderungen im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit wie zum Beispiel Pressearbeit, Fundraising oder Sponsoring. Die Reutlinger Stadtbibliothek eröffnete mir ein breites Praxisfeld und Spielräume zur Entfaltung eigener Ideen, die mitunter zu Publikationen führten. Nebenbei gab ich Seminare im Bereich Kulturmanagement an der Hochschule für Bibliotheks- und Informationswesen in Stuttgart und hielt Vorträge an der Design- und Kommunikationsakademie Reutlingen.
In den Jahren 2000 bis Mitte 2002 erhielt ich vom Kulturamt der Stadt Reutlingen den Auftrag, eine qualitative Untersuchung über avancierte Kulturtechniken im Bereich der Medienkultur durchzuführen. Diese kulturpolitische Feldarbeit führte mich zu Gesprächen mit Leitern renommierter und innovativer nationaler Kultureinrichtungen und erweiterte meinen Horizont für kulturelle Entwicklungen und kulturpolitische Zusammenhänge. Das Master-Aufbau-Studium am Institut für Kulturmanagement begann ich im April 2002 kurz vor der Geburt meiner ältesten Tochter und schloss es kurz nach der Geburt meiner jüngsten Tochter im Juni 2004 ab. Das Studium ermöglichte mir, meine praktischen Kenntnisse theoretisch zu untermauern. Vieles, das ich mir „zwischen Tür und Angel“, zwischen Pressegespräch und Abendveranstaltung, kurz aus dem „Kulturmanager“ angelesen hatte, wurde dort auf eine breitere theoretische Basis gestellt.
In der Zwischenzeit bin ich mit meiner Familie nach Berlin gezogen und erlebte in der Hauptstadt einmal einen arbeitsfreien und entspannten Sommer in den Parks und an den Seen, den Abenteuerspielplätzen und Kinderbauernhöfen. Jetzt freue ich mich auf meinen neuen Berufseinstieg als Professorin für Bestands- und Contentmanagement sowie Öffentlichkeitsarbeit an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften in Hamburg. Dieser wurde auch durch die flexible und berufsbegleitende Weiterbildungsmöglichkeit am Institut für Kulturmanagement und die flexible Arbeitszeitregelung der Hamburger Hochschule möglich, vor allem aber durch das große Engagement meiner Familie.
Der geschäftsführende Intendant des Stuttgarter Kammerorchesters war Ende 2007 auf der Suche nach einer persönlichen Referentin, die sowohl für den Aufgabenbereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich sein sollte als auch den Bereich Controlling aufbauen könnte. Meine Kombination von Erst- und Aufbaustudium sowie Berufserfahrung war ausschlaggebend, dass ich seit Januar 2008 beim Orchester, übrigens das älteste seiner Art weltweit, arbeite.
Bei meinem Erststudium entschied ich mich für ein Studium der Betriebswirtschaft, Fachrichtung Medien- und Kommunikationswirtschaft, das ich an der Berufsakademie und dem Medienunternehmen SDZ Druck und Medien absolvierte. Danach arbeitete ich dort drei Jahre und sammelte praktische Erfahrungen im Marketing, in der Öffentlichkeitsarbeit und in der Veranstaltungsorganisation.
Doch nach drei Jahren kam der Wunsch nach Veränderung und Weiterqualifikation. Ich entschied mich für ein Aufbaustudium Kulturmanagement, da ich meine bisher in Studium und Praxis erworbenen Kenntnisse für eine Tätigkeit in der Kultur optimieren wollte. Mein Wunsch war es, einen Beruf in einer Branche, die mich auch privat interessierte, auszuüben.
Dabei vermittelte das Kulturmanagement-Studium genau die richtigen Kenntnisse, die nötig sind, um die spezifischen Eigenheiten eines Kulturbetriebs zu verstehen. Die Vorlesungen und vor allem die Seminare mit Praxisbezug bereiteten gut auf die Realität im öffentlichen Kulturbetrieb vor, stellten aber auch Wege dar, wie an Probleme und Herausforderungen im Arbeitsalltag herangegangen werden kann.
Im Moment sind wir beim Stuttgarter Kammerorchester dabei, ein internes Berichtswesen einzuführen. Bisher waren leider keine ausreichenden Kenntnisse über die aktuelle finanzielle Situation vorhanden, um jederzeit steuernd eingreifen zu können und die Konzerte sowie die folgenden Spielzeiten (auch im Hinblick auf die optimale Verwendung der öffentlichen Zuschüsse und Sponsoreneinnahmen) planen zu können. Das Ziel ist es nun, alle relevanten Zahlen und Daten transparent zu machen.
Im Bereich Presse- und Öffentlichkeitsarbeit gehören vor allem die Konzeption und Realisierung des jährlich erscheinenden Saisonprogramms, die Betreuung aller Kommunikationsmedien und das Verfassen von Pressemitteilungen zu meinen Aufgaben.
In meiner bisherigen akademischen und beruflichen Laufbahn habe ich es stets vermieden, mich auf eine bestimmte Kultursparte oder einen Aspekt der Kulturarbeit festzulegen. Auch deshalb entschied ich mich nach dem Abitur nicht für ein, sondern für drei Studienfächer: An der Universität Konstanz belegte ich im Bachelorstudiengang die Kombination Literatur, Kunst und Medien.
Sicher war ich mir allerdings von Anfang an, einen Schwerpunkt auf internationale Kulturarbeit legen zu wollen. Und viel internationaler als bei der Akademie Schloss Solitude, wo ich mein Volontariat absolvierte, konnte es nicht werden: Die Künstlerresidenz beherbergt Künstlerinnen und Künstler, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus der ganzen Welt. Als Volontärin habe ich hier die einzigartige Möglichkeit, den gesamten Schaffensprozess mitzuerleben und zu unterstützen, von der Idee über die Umsetzung bis hin zur fertigen Ausstellung, zum Konzert oder Buch. Dadurch, dass ich in verschiedene Abteilungen und Projekte involviert war, konnte ich mein im Masterstudium erworbenes Wissen an vielen Stellen anwenden. Beispielsweise im Projektmanagement, wo mich die praktische Erfahrung lehrte, dass man oft mit Unvorhergesehenem umgehen muss.
Heute bin ich als Projektmanagerin für das Festival "ÜBER: MORGEN" der KulturRegion Stuttgart e.V. tätig und kann von meinen Volontariatserfahrungen ebenso wie von meinem Studium profitieren. Ich habe Kulturmanagement studiert, weil ich Rahmenbedingungen für Kunst schaffen will. In meiner Berufspraxis tue ich nun genau das, und das ist ein wirklich tolles Gefühl.
Während viele meiner Kommilitoninnen und Kommilitonen schon früh wussten, auf welche Kultursparte sie sich fokussieren wollten, tat ich mich persönlich mit dieser Frage immer schwer: Zu breit waren meine Interessen, zu groß war meine Begeisterungsfähigkeit. Das spiegelt sich auch in meinem Werdegang wider. Während meines Bachelorstudiums „Kulturwirtschaft/ International Cultural and Business Studies“ an der Universität Passau und meines Masterstudiums in Ludwigsburg sammelte ich überwiegend Erfahrung in spartenübergreifenden Kulturinstitutionen, und der Wunsch, beruflich in einem inhaltlich breiteren Kontext tätig zu werden, wuchs.
Nach meinem Masterstudium 2020 begann ich ein Volontariat im Kultur- und Bildungsmanagement der „volkshochschule stuttgart“ – und blieb. Inzwischen bin ich dort seit einem Jahr als Fachbereichsleiterin im Programmbereich Kultur und Gestalten tätig, seit Januar für die Fachbereiche Tanz, Theater, Bildende Kunst, Fotografie und Textiles Gestalten. Zudem bin ich für die „vhs photogalerie“ und die „vhs Kunstgalerie“ zuständig, die im „TREFFPUNKT Rotebühlplatz“ zu finden sind. Die thematische Bandbreite sowie das Spektrum an organisatorischen und inhaltlichen Aufgaben schätze ich sehr an meiner Arbeit. Neben der Ausstellungsorganisation, der Veranstaltungsreihe „Freie Szene zu Gast“ oder dem „Internationalen Solo-Tanz-Theater Festival“ stellen die strategische Weiterentwicklung und Planung unseres Kursprogramms wesentliche Bestandteile meiner Arbeit dar: Welche Bedürfnisse und Interessen haben unsere Zielgruppen? Was sind gegenwärtige Trends? Welche unserer Inhalte haben Ausbaupotential? etc.
Mein Arbeiten war im vergangenen Jahr wie vielerorts überschattet von der Corona-Pandemie und dem damit verbundenen schnellen Reagieren, dem Verfassen von Hygienekonzepten und einer großen Planungsunsicherheit. Durch die Umstellung von Präsenz- auf Onlineangebote und die Entwicklung hybrider Formate waren die letzten Monate eine herausfordernde Zeit, die jedoch auch äußerst lehrreich war. Nichtsdestotrotz: Obwohl ich die Arbeit in der vhs bislang nur im Ausnahmezustand, in der Zeitrechnung „während Corona“, kennenlernen durfte, freue ich mich schon jetzt auf mehr Kontinuität, Planungssicherheit und vor allem mehr persönliche Begegnungen vor Ort!
Ich bin Bassist in der Band The Dorians, habe Lehramt für GHS mit den Fächern Musik, Deutsch und Sport studiert und danach das Magisteraufbaustudium Kulturmanagement belegt. Im Anschluss daran habe ich bei einer Veranstaltungsagentur gearbeitet und war v. a. zuständig für Programm, Sponsoring und Organisation des Jazzfestivals LBBW jazzopen stuttgart. Seit Mai 2002 bin ich Referent für Marketing und Öffentlichkeitsarbeit im Staatlichen Museum für Naturkunde Stuttgart.
Das alles klingt nicht unbedingt nach weitsichtiger Karriereplanung?
Stimmt. Ist aber spannend.
Im Naturkundemuseum bin ich schwerpunktmäßig zuständig für den Bereich Marketing. Der Hauptanteil dabei ist das Beschaffungsmarketing, d. h. Sponsoring und Fundraising. Außerdem gehört zu meinen Aufgaben: Werbung, Projektbegleitung für externe Ausstellungen, die interne Kommunikation (sehr spannend!) und das Veranstaltungsmanagement (inzwischen fest im Veranstaltungskalender Stuttgarts etabliert: das Sommerfest im und um das Schloss Rosenstein. Sehr empfehlenswert weil tolle Atmosphäre!
Das Naturkundemuseum Stuttgart besteht aus den beiden Häusern Am Löwentor und Schloss Rosenstein. Diese Tatsache zu kommunizieren ist übrigens eine meiner Hauptaufgaben der nächsten Zeit. Für viele Besucherinnen und Besucher ist dieser Zusammenhang nicht klar. Wir wollen erreichen, dass beide Häuser gleichermaßen unter dem Begriff Naturkundemuseum bekannt werden. Am Löwentor werden Fossilfunde aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit gezeigt. Viele, viele alte Knochen... Highlights sind die Skelette und Rekonstruktionen des u. a. in Stuttgart-Degerloch gefundenen Plateosaurus, eines der ältesten Dino-Funde überhaupt (ca. 220 Mio. Jahre alt). Der Steinheimer Schädel (ca. 250.000 Jahre alt), der den Missing Link zwischen Neandertaler und Homo sapiens darstellt ist einer der „wertvollsten“ Funde der ganzen Sammlung. Im Schloss Rosenstein geht es aktueller (und auch farbiger) zu. Hier liegt der Schwerpunkt auf der „rezenten“, d. h. nicht fossilen Tier- und Pflanzenwelt und den dazugehörigen Lebensräumen.
Bleibt zu sagen, dass ich immer wieder begeistert bin, wenn ich mit den zuständigen Wissenschaftlerinnen und Präparatoren durch die Magazine gehe und sehe, was da alles in den Kellern schlummert: Faszinierende Fossilfunde, tausende wunderschöne Insekten (ja, tatsächlich!) und andere Tiere und Pflanzen und nicht zuletzt die Geschichten, die an den Objekten, den Finderinnen und den zuständigen Wissenschaftlern hängen.
Tatsächlich lässt sich in meinem Ausbildungsweg so etwas wie ein roter Faden ausmachen. Mit dem Bachelorstudium Museologie und materielle Kultur (plus Wirtschaftswissenschaft im Nebenfach) an der Universität Würzburg hatte ich mich recht früh auf den Museums- und Ausstellungsbetrieb eingeschossen. Es folgte ein längeres Praktikum beim Ausstellungsgestalter „Space 4“ in Stuttgart und anschließend das Masterstudium „Kulturwissenschaft und Kulturmanagement“ in Ludwigsburg. Auch hier blieb das Ziel, mich möglichst gut für die organisatorische Museumsarbeit zu rüsten; entsprechend begleiteten mich Fragen der Zusammenarbeit zwischen Museum und Ausstellungsgestalter bis hin zur Masterarbeit. Parallel arbeitete ich stundenweise im Ludwigsburg Museum – die Richtung schien zunächst also klar.
Und doch bin ich nun seit gut einem halben Jahr für die Bereiche Ticketing und Vertriebsmarketing des Mozartfestes Würzburg verantwortlich, einem mittelgroßen Klassik-Festival mit jährlich rund 70 Veranstaltungen und 25.000 Gästen. Nach Würzburg haben mich gleich mehrere Gründe geführt: einerseits der Wunsch, in die Region Würzburg/Nürnberg zurückzukehren, andererseits die seit Schultheaterzeiten bestehende, liebevoll gepflegte Begeisterung für den Veranstaltungsbetrieb – ein Bereich, der im Museum zwar seinen Platz hat, oft aber einen weitaus kleineren. Und schließlich, nicht zu unterschätzen, die als Berufseinsteiger alles entscheidende erste Zusage, die der Ungewissheit des Bewerbungen-Verschickens von heute auf morgen ein glückliches Ende setzte.
Inzwischen liegt die erste Festivalsaison erfolgreich hinter mir, und der Arbeitsalltag dreht sich schon um die Konzertvorbereitungen für die Saison 2020. Gleichzeitig wirft das 100-jährige Mozartfest Jubiläum 2021 seine Schatten voraus. Einen Großteil meiner Arbeit umfasst die Einrichtung und Koordination der verschiedenen Ticketvertriebskanäle. Parallel dazu betreue ich unter anderem die Erstellung und Distribution der Printwerbemittel, das Anzeigenmarketing sowie diverse übers Jahr verteilte Werbeaktionen. Jede Phase der Festivalvorbereitung hält neue Herausforderungen bereit, sodass von Routine noch keine Rede sein kann. Gleichzeitig sind die Begeisterung und Verbundenheit, die die Würzburger „ihrem“ Festival entgegenbringen, spürbar und extrem ansteckend. Und diese Begeisterung unserer Gäste, ebenso wie jene im Mozartfest-Team selbst, motiviert mich, so schnell wie möglich in der (zuweilen etwas eigenwilligen) „Festival-Ecke“ des Kulturbetriebs ganz anzukommen.