Die Auftritte von Rapper:innen im Kontext der Sozialen Medien genießen mitunter mehr Aufmerksamkeit, als deren Musikproduktion. Ein besonders augenscheinlicher Trend ist es, die Namen und Images von Rapper:innen für internetbasierte Werbung zu nutzen: Das „eigene“ Produkt, ob Shishatabak, Eistee oder Pizza, ist heutzutage ein wichtiges Element in der Erzählung von Aufstieg und Erfolg.
Im Beitrag gehen wir davon aus, dass Deutschrap, (pop)kulturelle Inhalte schon längst in digitalen Räumen verhandelt und die eigengesetzliche Kultur der Social Media Plattformen wiederum Deutschrap stark mitprägt und verändert. Eine der wichtigsten Jugendkulturen im deutschsprachigen Raum hat selbstredend auch eine digitale Szene von (jungen?) Menschen generiert, die jeden Tag Memes entwickelt, sich spöttisch über diverse Akteur:innen äußert, oder einen Rapper zu der Geschäftsidee verleiten, ein eigenes Köftespieß-Grill-Franchise-Unternehmen zu eröffnen. Mit Erfolg: Durch die virale Verbreitung eines Kurzvideos, in dem Xatar sich vorstellt nach seiner Haftentlassung in Ruhe einen Hackfleischspieß genießen zu können, ist seine Karriere stark dynamisiert worden. Erst kürzlich erreichte dieses klassische, jedoch auf neuen Online-Distributionswegen fußende, zwischen Originstory, Komik und Kommerz oszillierende Rap-Narrativ seinen Höhepunkt, indem die Persona Xatar schließlich in Fatih Akins „Rheingold“ entsprechende Mythologisierung fand, was darauf hindeutet, dass auch im Deutschrap der Begriff der Authentizität noch weiter gefasst werden kann.
Die künstlerisch-unternehmerische Entwicklung des Bonner Rappers Xatar und deren medien- und kulturwissenschaftliche Betrachtung kann als anschauliches Beispiel dienen für die Einordnung gegenwärtiger selbstreferentieller Rap-Online-Praktiken, die u.a. in Ratgebertätigkeiten Kollegahs oder im Market Place Feminism Shirin Davids weitere Beispiele finden.